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Babylon, 1991 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

BABYLON – IM BETT MIT DEM TEUFEL
(Deutschland, 1991, Regie: Ralf Huettner)

Als die Krankenschwester Maria die Eltern über den Tod ihrer Tochter informieren will, trifft sie den Vertreter Lothar, der der Familie etwas an der Haustüre verkaufen will. Dabei eskaliert die Situation und der Vater, der Verstorbenen droht, die Krankenschwester und den Vertreter zu erschießen. Lothar überwältig den Mann, nimmt ihm die Pistole ab und flüchtet mit Maria. Lothar ist ein Macho, wie er im Buche steht und schafft es, Maria in ins Bett zu kriegen. Doch schnell wird Maria klar, dass Lothar ein Betrüger ist, der die Not von Menschen ausnutzt, um sich an ihnen zu bereichern. Sie setzt ihn vor die Tür. Doch Lothar hat etwas hinterlassen: seinen Samen in Maria, der sie schwanger macht. 

Nach seinem durchaus gelungenen Horrorfilm DER FLUCH (1988), der leider kein Erfolg wurde, bekam Ralf Huettner dennoch eine weitere Gelegenheit, sich kreativ auszutoben und zu drehen, was er wollte. Er blieb dem Horror (im weitläufigen Sinne) treu, löste sich aber von gängigen Konventionen und schuf mit BABYLON – IM BETT MIT DEM TEUFEL einen äußerst bizarren Film. 

Huettner konnte Dominic Raacke nach DER FLUCH erneut gewinnen, was ein richtiger Trumpf war. Raacke spielt das chauvinistischen Macho-Arschloch Lothar mit Brillanz. Er schießt einen miesen Spruch nach dem anderen ab und vögelt sich quer durch die Stadt. Dumm ist nur, dass ständig die Kondome reißen und Lothar etwas hinterlässt, was man anfänglich für ein normales Baby hält. Und hier nimmt Huettners Story dann sonderbare Züge an, die einen an David Cronenberg denken lassen, dessen rote Op-Kleidung aus DIE UNZERTRENNLICHEN (1988) hier wieder auftaucht. Die Kleidung der Krankenschwestern ist im übrigen rosa, was mir auch noch nicht begegnet ist. Was in den Frauen heranwächst, bleibt im Verborgenen, aber wie es herauskommt, lässt einen unweigerlich an ALIEN (1979) denken. Aber auch Filme wie POSSESSION (1981) und BABY BLOOD (1990) schimmern irgendwie durch. 

Huettner versteht es blendend, dem Zuschauer immer wieder zu überraschen, ihm Blut und Gore, Erotik, bösen Humor oder dramatische Lebenssituationen im Wechsel zu präsentieren. Als Gegenpool zum dominanten Lothar gibt es ein Wiedersehen mit Nadja Brunkhorst (CHRISTIANE F, 1981) als Maria. Diese neigt hier zwar hin und wieder etwas zum Overacting, macht aber insgesamt eine gute Figur. Ziemlich schräg ist auch der kurze Auftritt von Vernonica Ferres als Apothekerin, die ebenfalls auf Lothars Masche hereinfällt. Die Besetzung macht bis hin zu den Nebenrollen großen Spaß. 

Auch visuell kann sich BABYLON – IM BETT MIT DEM TEUFEL sehen lassen. Besonders das Krankenhaus, erweckt immer wieder Erinnerungen an die Farb- und Lichtgestaltung von Mario Bava und Dario Argento. Es lässt sich nur mutmaßen, ob die hier bewusst oder unbewusst zitiert werden. Egal, denn es sieht schön aus und verdichtet die Atmosphäre. Zudem wurde der Film ordentlich von Diethard Prengel fotografiert. Was mir sofort positiv aufgefallen ist, ist der Score von Joe Mubare und Uli Kümpfel. Blues und Jazz wird hier geboten, der die Inszenierung noch mysteriöser macht. 

BABYLON – IM BETT MIT DEM TEUFEL ist ein surrealer Horror-Trip, der von Anfang bis Ende konsequent unberechenbar bleibt. Ein deutscher Ausnahmefilm. 

(Bjoern Candidus)

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