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Let the Corpses Tan, 2017 – ★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

LEICHEN UNTER BRENNENDER SONNE
(LAISSEZ BRONZER LES CADAVRES, Belgien, Frankreich, 2017, Regie: Hélène Cattet & Bruno Forzani) 

Eine Bande Krimineller, die gerade erfolgreich einen Goldtransporter ausgeräumt hat, nimmt auf der Flucht zwei Frauen und ein Kind mit und verschanzt sich anschließend in einer Ruine irgendwo an der französischen Mittelmeerküste, wo eine Malerin lebt. Es kommt zu Konflikten unter den Figuren, die sich immer mehr zuspitzen. Als schließlich zwei Polizisten auf die Fährte der Gangster kommen, eskaliert die  Situation vollends.

Erneut wandelt das Ehepaar Hélène Cattet & Bruno Forzani auf den Spuren des italienischen Genrefilms. Haben sie sich mit AMER (2009) und DER TOD WEINT ROTE TRÄNEN (2013) noch im Gefilde des Giallo-Kinos bewegt, nähern sie sich mit LEICHEN UNTER BRENNENDER SONNE dem Gangsterfilm mit deutlichen Italowestern-Vibes. Dabei gehen sie allerdings stilistisch den gleichen Weg und lassen mit ihren Bildern voller Schönheit und Grausamkeit die Leinwand explodieren. Über 90 Minuten kocht hier alles über. Bilder wie Gemälde, Close-Ups bis in die tiefsten Poren. Farben und Töne, die alle Sinne zum tanzen bringen, prasselt auf einen nieder. Das Setting, die Ruinen eines Bergdorfes direkt am Meer, ist wunderschön. Hier spürt man dann besonders den Italowestern, wenn man sich in den Ruinen verschanzt und die Inszenierung zu einem Belagerungsfilm wird.

Wie in ihren Vorgängen bedienen sich Cattet, Forzani auch hier wieder bekannten Melodien von Ennio Morricone, Stelvio Cipriani und Nico Fidenco, was das Herz des Italophilen aus der Brust schießen lässt. Schießen. Ja, geschossen wird hier, und das ganz besonders hart und häufig. Dazu wird gesoffen, geraucht, mit Körpersäften herumgespritzt und dem Knirschen von Lederbekleidung eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Auch die Besetzung kann sich erneut sehen lassen, und mit Elina Löwensohn (NADJA, 1994) stösst auch eine mir gute Bekannte in den Cast. 

LEICHEN UNTER BRENNENDER SONNE ist ein experimenteller Trip, wie man ihn heute nur noch ganz selten findet. In jeder Sekunde spürt man die tiefe Liebe von Hélène Cattet & Bruno Forzani gegenüber des europäischen Kinos der 60er-80er-Jahre, die sie mit ihrem Publikum teilen möchten. Dennoch hatte ich hier irgendwann das Gefühl einer Übersättigung, wie schon bei DER TOD WEINT ROTE TRÄNEN, und statt noch mehr toller Bilder, hätte ich mich über ein paar mehr Handlungsfetzen gefreut. 

(Bjoern Candidus)

←Django Shoots First, 1966 – ★★★★
Another Son of Sam, 1977 – ★½→

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