LA GATTA IN CALORE
(Italien, 1972, Regie: Nello Rossati)
Anna fühlt sich von ihrem Ehemann im Stich gelassen, da der nur für seine Arbeit lebt und ständig auf Geschäftsreisen unterwegs ist. Der neue Nachbar gegenüber im Haus weckt ihr Interesse, und es entsteht eine Liebesbeziehung zwischen Anna und Massimo. Als Antonio eines Tages von einer seiner Reisen zurückkommt, findet er die Leiche von Massimo im Garten liegen. Er eilt zu seiner Frau, die er am Küchentisch sitzend vorfindet. Vor ihr liegt eine geladene Pistole. Es ist Zeit für ein klärendes Gespräch.
Es brauchte nicht lange, um mich in Nello Rossatis Beziehungs-Erotik-Thriller-Drama LA GATTA IN CALORE wohl zu fühlen. Dabei ist die Inszenierung alles andere als lebensbejahend. Eine düstere Atmosphäre tut sich auf und die Laune der Figuren fällt direkt auf den Nullpunkt. Nachdem Antonio seiner Frau in der Küche begegnet, macht die Story ein Sprung in die Zeit zurück. Anna erzählt Antonio von Massimo. Dieser ist ein drogensüchtiger Künstler, der das Haus gegenüber gemietet hat, in dem er nicht nur malt, sondern auch wilde Orgien veranstaltet. Er lebt für den Moment, und in ihm kann sie die Verzweiflung über ihre eigene Beziehung lindern. Zumindest hofft sie das, aber die Liebe, die sie ihm gibt, kann er ihr nicht zurückgeben, da Massimo noch nie Liebe für jemanden empfunden hat. Bis sie all das endlich begreift, eskaliert die Situation und es kommt zum einer folgenschweren Tat. Rossatis würzt hier einige zeittypische Zutaten rein. Sex, Drogen und Gewalt bestimmen Massimos Leben, was sich vor allem in seinem Haus abspielt. Gähnende Leere und Depression findet sich gegenüber im Haus, was in der Regel von Anna allein behütet wird, da Antonio selten vor Ort ist. Und so reduziert Rossati LA GATTA IN CALORE vor allem auf diese beiden Schauplätze, die durch einen sehr schön fotografierten herbstlichen Garten verbunden sind. Aber die Inszenierung sieht nicht nur gut aus, sondern klingt auch phantastisch. Dafür sorgt der melancholische bis düstere Score von Gianfranco Plenizio. Die Musik ist wirklich 1A.
So übersichtlich wie die Schauplätze ist auch die Anzahl der gut gewählten Hauptdarsteller. Anna wird von Eva Czemerys verkörpert, ihr Ehemann Antonio von Silvano Tranquilli. Massimo wird von Anthony Fontane dargestellt, für den dieser Auftritt der letzte blieb.
LA GATTA IN CALORE ist ein durch und durch spannender Erotik-Thriller mit Giallo-Vibes und gleichzeitig ein trauriges Beziehungsdrama mit einem überraschenden Ende.
Sehr gut.
(Bjoern Candidus)
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