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Caligula, 1979 – ★★★★½

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

CALIGULA / CALIGULA: THE ULTIMATE CUT
(Italien, USA, 1979 / 2023, Regie: Tinto Brass)

Caligula wird von seinem Großonkel, Kaiser Tiberius, nach Capri gerufen. Tiberius ist von Krankheit gezeichnet und wird bald sterben. Doch die Auswahl seiner Nachfolger ist problematisch. Es passiert, was Caligula bereits befürchtet hat: Tiberius will ihn vergiften, denn der möchte den jungen Gemellus zum Nachfolger, den er offensichtlich auch sexuell begehrt. Doch Caligula ist schlau, kann das vergifte Getränk weiterreichen und lässt schließlich Tiberius durch die Hände seines Leibwächters Macro töten, um zum Imperator aufzusteigen, der jedem unweigerlich seine neue Macht demonstriert. Doch es kommt, wie es oft kommt: nach dem Aufstieg kommt der Fall.

Die Hoffnung, mit CALIGULA einen historisch korrekten Film über das Leben von Gaius Caesar Augustus Germanicus, kurz: Caligula, geliefert zu bekommen, darf wohl begraben werden. Zwar zeigt Tinto Brass und Drehbuchautor Gore Vidal den Aufstieg und Fall Caligulas, doch der Film ist weniger ein Biopic, sondern ein wilder Bilderrausch mit bizarren Figuren, der in punkto Design und Ausstattung höchst beachtlich ist. Wie ein übergroßes Theaterstück wirken die Kulissen des Palastes auf der Insel Capri des anfänglich noch lebenden Kaisers Tiberius, der auf höchst widerliche Art von Peter O‘Toole dargestellt wird. Blass, ausgemergelt und mit Syphilis-Flecken im Gesicht wirkt er wie ein Zombie, der bereit ist für seinen Nachfolger. 

Riesige Bäder, Statuen, eine pompöse Arena mit einer bizarren Enthauptungsmaschine, prunkvolle Säle voller Dekadenz, wohin das Auge blickt, werden einem hier geboten. Passend zu den zahlreichen sexuellen Praktiken, die man geliefert bekommt, durchzieht die Inszenierung ein rötliches Licht, was direkt aus der Hölle zu kommen scheint. Die ganze Inszenierung wirkt irreal, als wäre man in einer Parallelwelt des Jahres 37 n. Chr. Wie eine Viper (so nennt ihn Tiberius auch) schlängelt sich Malcolm McDowell als Caligula durch seinen Palast als neuer Kaiser des Römischen Reiches. Alles scheint vergiftet und gebunden an den Launen Caligulas. Er lässt töten, tötet selbst, fistet ein Brautpaar und sorgt dafür, dass ihn alle hassen und ihm trotzdem den Arsch nachtragen. Malcolm McDowell geht absolut auf in seiner Rolle und es ist faszinierend, ihn dabei zu beobachten. Das gilt im Grunde für jeden hier, denn gleich, unter welchen problematischen Bedingung die Produktion auch stand, hat dies nicht auf die Darsteller abgefärbt. Neben O‘Toole und McDowell ist auch der wunderbare John Steiner dabei, den man als glatzköpfigen Longinus kaum erkennt, aber eine tolle Performance liefert. Sehr eindringlich ist auch John Gielgud als Nerva, den man beim langsamen Ausbluten in einer Badewanne beobachten darf. Drusilla, Caligulas Schwester, wird von Teresa Ann Savoy verkörpert, während Hellen Mirren des Kaisers Ehefrau verkörpert. Die Szene, in der sie ihr Kind zur Welt bringt ist ein weiteres Bonbon des Bizarren. 

Im Grunde ist CALIGULA ein Exploitationfilm wie er im Buche steht. Aber er ist vor allem eines nicht: die eigentliche Vision von Tinto Brass und Gore Vidal. Brass wurde der Filmschnitt entzogen. Manche Szenen wurden entfernt, geändert oder hinzugefügt und zusätzlich wanderten Hardcore-Szenen in den finalen Schnitt der Kinofassung, die in gewissen Ländern gezeigt wurde. In anderen Ländern wurde der Film hingegen stark gekürzt, um in die Kinos zu kommen. CALIGULA wurde zu einem inhaltlichen Debakel, Dank Penthouse-Chef Bob Guccione, der den Film zusammen mit Franco Rossellini produzierte. 

Etwas sortierter, teils logischer im Aufbau und bereinigt von den nachträglichen Hardcore-Szenen, präsentiert sich die neue Schnittfassung, die Thomas Negovan erstellte und 2023 Premiere in Cannes feierte. Diese Fassung ist nicht nur chronologisch abweichend geschnitten, sondern besteht komplett aus alternativen Takes der jeweiligen Szenen. Alles ist etwas anders, manches ist weg, vieles dazu gekommen. Aus einer Laufzeit von 156 werden 178 Minuten. Sehr gelungen ist auch die neue musikalische Untermalung von Troy Sterling Nies, die für zusätzliche Sogwirkung sorgt. Weniger schön, da viel zu modern, ist der animierte Prolog. Ich hatte nie ein Problem mit der Kinofassung, da mich der Film immer sehr begeistert hat. Doch CALIGULA: THE ULTIMATE CUT ist eine zauberhafte Alternative, den Film ein stückweit mehr zu erleben, wie er einst gedacht war. 

CALIGULA ist ein faszinierender, stark besetzter Film mit großen Bildern voller Überraschungen, Intrigen, Gewaltausbrüchen und sexuellen Ausschweifungen sämtlicher Ausrichtungen. 

(Bjoern Candidus)

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Caligula: The Ultimate Cut, 2023 – ★★★★½→

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