DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS
(CREATURE FROM THE BLACK LAGOON, USA, 1954, Regie: Jack Arnold)
Eine skelettierte Kralle, die auf ein Wesen schließen lässt, was das Bindeglied zwischen Meeres- und Landlebewesen sein könnte, animiert ein Team aus Wissenschaftlern, sich zum Amazonas zu begeben, um nach weiteren Knochen zu suchen. Doch statt auf Knochen stoßen sie auf ein lebendiges Wesen, was seine Augen auf die Bordschönheit geworfen hat.
Wenn es um das Monsterkino der 1950er-Jahre geht, steht ein Mann an vorderster Front: Jack Arnold. Kaum ein anderer hat es verstanden, die Monster so eindringlich und gleichzeitig sympathisch zu zeichnen wie Arnold. Auffällig ist dabei auch, dass er oft viel sympathischere Figuren in seinen Filmen auftauchen lässt, die man gerne auf ihren Abenteuern begleitet, was im Monsterkino der 50er-Jahre nicht selbstverständlich war. Die Steifheit vieler Darsteller ist bei DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS glücklicherweise stark reduziert, und besonders Julie Adams kann als die schöne und vom Kiemenmensch heißbegehrte Kay Lawrence Sympathiepunkte sammeln. Doch niemand spielt sich hier mehr in die Herzen der Zuschauer als das Monster, der Kiemenmensch persönlich. Dieser wird recht grau gezeichnet und hat statt Gewalt mehr die Liebe im Sinn, dennoch ist mit ihm nicht zu spaßen, und seine Krallen sind allzeit bereit. Die Mischung aus Amphibie und Mensch ist ausgesprochen gelungen. Das Monsterdesign hat bis heute Einfluss auf das Genre und wurde zuletzt von Guillermo del Toro in SHAPE OF WATER (2017) neu interpretiert. Gerade der natürliche Ursprung des Wesens gefällt mir, basiert es doch nicht auf radioaktive Strahlungen oder menschlichen Experimenten. Schon der Off-Sprecher zu Beginn macht klar, dass man hier einem Geschöpf von Mutter Natur begegnen wird, was einer natürlichen Evolution unterlaufen ist, auch wenn ihr zuvor noch niemand begegnet ist.
Ein weiteres Element macht DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS so faszinierend: der Abenteuerfilm. Arnold ist ein nahezu perfekter Hybrid aus Monster- und Abenteuerfilm gelungen, wie es zuvor nur mit KING KONG UND DIE WEISSE FRAU gelungen war, es sei denn, man zählt GRAF ZAROFF dazu, was ich keinem verdenken würde. Der Schauplatz, der Amazonas und sein Urwald, besteht aus Rückprojektionen, die sehr geschickt in die Studiokulissen integriert wurden. Die Schiffsbauten der ‚Rita‘ sind ordentlich und vermitteln das Gefühl, der Expeditionstrupp sei wirklich vor Ort, vorausgesetzt, man lässt sich auf die Illusion ein. Dazu gibt es immer wieder schön fotografierte Unterwasser-Szenen, die im Finale sogar Action zeigen. Grundsätzlich passend, aber manchmal etwas anstrengend, aber im Kino jener Tage nicht selten, ist der Score.
Wie bereits in KING KONG UND DIE WEISSE FRAU gibt es auch hier eine Romanze, die allerdings sehr viel einseitiger verläuft. Dennoch ist diese spezielle Art der Zoophilie äußerst interessant und sehr viel definierter als zwischen King Kong und Fay Wray, bzw. Ann Darrow.
DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS ist ein äußerst liebevoll inszenierter Monsterfilm, der aus dem monströsen Gros jener Tage hervorsticht.
(Bjoern Candidus)
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