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Dumplings, 2004 – ★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

DUMPLINGS – DELIKATE VERSUCHUNG
(GAAU JI, Hongkong, 2004, Regie: Fruit Chan)

Man kann in Jungfrauen Blut baden, sich das Blut von Kindern hinter die Binde kippen oder einfach in Meis mit menschlichen Föten gefüllte Teigtaschen beißen, um ewig jung zu bleiben. Letzteren Weg wählt Qing Li, die allerdings noch gar nicht weiß, was sie serviert bekommt. Für Qing Li ist es wichtig, wieder attraktiv für ihren Ehemann zu sein, der sie mit einer jüngeren Frau betrügt. Auch als sie herausfindet, dass Mei abgetriebene Föten für die Teigtaschen verwendet, beißt sie herzhaft zu. Und als sie merklich schöner wird, klappt plötzlich auch der Sex mit ihrem Mann wieder. Doch dann fängt sie an zu stinken.

Das Thema ewige Schönheit, Gesundheit und ein langes Leben ist besonders im Horrorkino seit jeher zugegen. Regisseur Fruit Chan verschiebt den klassischen Vampir und den Mythos um Elisabeth Báthory in ein modernes Hongkong und serviert eine kulinarische Version des Themas, die Leuten mit empfindlichen Magen durchaus zu schaffen machen könnte.

Sieht man von den trostlosen Außenfassaden der Gebäude ab, liefert Fruit Chan im Inneren viel Farbe und eine schöne Ausstattung. Auch die Kleidung der beiden Frauen Mei und Qing Li ist sehr gut gewählt und bringt Leben in die Inszenierung. Leben basierend auf Tod, trifft es genau, und so kann es hier noch so bunt sein, mein Magen wurde immerzu getriggert. 

In ästhetischen Bildern bekommt man ein paar wirklich heftige Moment geliefert, wie die Abtreibung eines Fötus einer 15-jährigen, dessen Vater nicht die Finger von seiner Tochter lassen konnte oder das langsame Verspeisen der Teigtaschen, wenn Knackgeräusche aus dem Mund von Qing Li kommen. An kurzen, geschickt eingebauten Szenen kann man auch ein Blick auf die Föten werfen, die von Mei liebevoll und mit aller Sorgfalt zubereitet werden, natürlich nicht ohne den Chinakohl zu vergessen. 

Köchin Mei, eine ehemalige Ärztin, die dank ihrer besonderen Medizin wesentlich jünger aussieht als sie ist, wird von Bai Ling dargestellt. Ihre Kundin Qing Li wird von Miriam Yeung verkörpert. Beide Damen sind nicht nur schön, sie liefern auch ein sehr gutes Schauspiel. Besonders Yeung fährt ab der Hälfte richtig hoch, wenn sie ihren Ehemann zurückgewinnt und einen bizarren Schachzug gegen seine Geliebte ausführt. 

Die Eheprobleme von Qing Li, Meis Beschaffungen der Föten und die illegale Abtreibung, zu der es ebenfalls noch einen kleinen separaten Handlungsstrang gibt, machen DUMPLINGS zu einem reichhaltigen Kannibalen-Horrorfilm. Auch wenn Fruit Chan lieber auf Ekel statt auf Spannung setzt und sich kleinere Längen bemerkbar machen, wird man hier auf höchst bizarre Art unterhalten, wie es nur das asiatische Kino kann. Abgeschmeckt wird das Menü von Kwong Wing Chans Score, der mal klassisch und mal experimentell klingt. 

Wer nur die halbe Portion haben möchte: DUMPLINGS ist auch im Rahmen des Episoden-Horrorfilms THREE… EXTREMES (2004) erschienen.

(Bjoern Candidus)

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