HELLRAISER V – INFERNO
(USA, 2000, Regie: Scott Derrickson)
Joseph, ein heruntergekommener Detective, der immer mehr den Sinn im Leben verliert und dieses Manko mit Sex und Drogen ausgleichen will, bekommt mit seinem Partner Tony einen Mordfall an den Hals gebunden. Als Joseph am Tatort eine geheimnisvolle Puzzlebox als Beweismittel mitnimmt und sie untersucht, wird sein Leben vollends auf den Kopf gestellt.
Nach dem völlig zerfahrenen HELLRAISER IV – BLOODLINE (1996), der auch an den Kinokassen zum Debakel wurde, folgte vier Jahre später HELLRAISER V – INFERNO direkt als DTV-Produktion. Regie führte Scott Derrickson, der mit Paul Harris Boardman das Script verfasste. Inhaltlich gibt es keine Bezüge zu den Vorgängern, was mir persönlich gefallen hat, da sich so die beginnende Entmystifizierung aus HELLRAISER IV – BLOODLINE zurückschraubt. Vielmehr hat man das Gefühl, es handelt sich gar nicht um einen Teil des Franchise, würde nicht Doug Bradley kurz als Pinhead vorbeischauen und ein paar Sprüche klopfen.
Der Fokus liegt auf Craig Sheffer, der den unmoralischen, kaputten Joseph, einen Detective, spielt. Mit ihm hat man wahrlich keinen Spaß als Zuschauer. Seine negative Ausstrahlung passt allerdings perfekt zum düsteren, fast depressiven Ton, den HELLRAISER V mitbringt. Das bräunlich-gelbliche Licht, was die Räume durchflutet, bringt zumindest eine dichte Atmosphäre mit, die sich kontinuierlich durchzieht. Josephs Partner, Tony, wird von Nicholas Turturro dargestellt, der bei so einem Kollegen nicht zu beneiden ist.
Die Polizei-sucht-Serienmörder-Story wird lange Zeit aufrechterhalten, ist halbwegs spannend inszeniert, obwohl die Puzzlebox, auf die Joseph stößt, direkt zeigt, wo der Hase lang läuft. Josephs Leben verwandelt sich immer mehr in ein Chaos, in dem er bald nicht mehr von Realität und Fiktion unterscheiden kann, was HELLRAISER V manchmal unnötig anstrengend und sprunghaft macht. Damit man nicht vergisst, dass man im Hellraiser-Franchise unterwegs ist, baut Derrickson ein paar neue, ziemlich lieblos gestaltete Cenobiten ein, die immer mal kurz auftauchen, um ihre Fratzen ins Bild zu halten. Die wenigen Gore-Szenen hinterlassen einen ebenso faden Eindruck.
Eine Offenbarung in Sachen spannender Unterhaltung ist HELLRAISER V – INFERNO definitiv nicht, aber in seiner Gesamtheit wirkt er etwas runder als sein direkter Vorgänger.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar