DER MANN MIT DER STAHLKRALLE
(ROLLING THUNDER, USA, 1977, Regie: John Flynn)
Nachdem der Vietnamkriegsveteran Major Charles Rane aus der Kriegsgefangenschaft zurückkommt, ist die Beziehung zu seiner Frau am Ende. Auch ein Koffer voller Silbermünzen, der ihm als Ausgleich für die Kriegsgefangenschaft überreicht wird, bringt sein Glück nicht nicht zurück. Als eine Bande im Haus von Rane einbricht, um die Silbermünzen zu stehlen, weigert sich der Soldat, sie herauszugeben, was zum Verlust seiner rechten Hand führt. Als seine Noch-Ehefrau und sein kleiner Sohn hinzustoßen und das Versteck der Silbermünzen verraten, werden sie von der Bande getötet. Im Glauben, auch den Major getötet zu haben, verschwindet die Bande, doch der Mann mit der Stahlkralle ist hinter ihnen her.
Regisseur John Flynn und Drehbuchautor Paul Schrader reagieren mit DER MANN MIT DER STAHLKRALLE auf das amerikanische Trauma des Vietnamkriegs und kombinieren es mit einem gängigen Rache-Konzept der Marke EIN MANN SIEHT ROT (1974). Doch Flynns Inszenierung ist weitaus düsterer gehalten als Bronsons coole Aufräumaktion in Winners Rache-Klassiker. William Devane ist als Major Charles Rane ein ganz anderer Typ, dessen Kriegstraumata ihm sichtlich ins Gesicht geschrieben steht. In einigen Dialogen wird sein Charakter gut vertieft und man bekommt Einblicke in die Hölle, die er durchmachen musste. Die zeremonielle Überreichung eines Koffers voller Silbermünzen für jeden Tag der Gefangenschaft als Soldat, wirkt verstörend und ist gleichzeitig der Beginn des nächsten Schrecken im Leben von Major Charles Rane. Die anschließende Verstümmelung seiner rechten Hand und die Tötung seiner Frau und seins Sohns vor seinen Augen ist eiskalt und kompromisslos inszeniert, und Ranes Rachegelüste sind jeder Zeit absolut nachvollziehbar. Den Verlust seiner rechten Hand gleicht er mit einem Haken aus, den er statt einer Handprothese trägt. Unterstützt wird Rane von seinem Kammeraden Johnny Vohden, der von Tommy Lee Jones verkörpert wird. Beide ergeben ein überzeugendes, vom Krieg gezeichnetes Duo ab.
DER MANN MIT DER STAHLKRALLE liefert nicht nur grobe Action und Gewalt, die in einem bleihaltigen Finale endet, sondern auch genügend Anklagen gegen einen sinnlosen Krieg, dessen einziger Erfolg darin bestand, dass über 50.000 US-Soldaten starben und gut 300.000 verletzt wurden, physisch und psychisch. Nichts wiegt den Schrecken des Krieges auf, weder Orden noch Silbermünzen.
DER MANN MIT DER STAHLKRALLE ist ein packendes, düsteres Anti-Kriegs-Drama im Mantel eines groben Rachefilms.
(Bjoern Candidus)
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