DER MÖRDER KOMMT AUF LEISEN SOCKEN
(LA STRANGOLATORE DI VINNA, Deutschland, Italien, 1971, Regie: Guido Zurli)
Otto Lehmann wird frisch aus der Psychiatrie entlassen, wo er einsaß, weil er eine Frau mit Fleisch geschlagen hat. Er gilt offiziell nicht als verrückt und nimmt seine Arbeit als Fleischer wieder auf. Die Zeiten sind hart, das Geld ist knapp, und auch mit seiner Frau Hanna läuft es nicht gerade gut. Als sie ihn beim Hinterherspannen seiner Nachbarin erwischt, kommt es zu einem Streit, bei der ihr das Genick bricht. Um die Leiche verschwinden zu lassen, verarbeitet er das Fleisch zu Wurst und löst die Knochen in Säure auf. Doch bei seiner Frau bleibt es nicht, und bald ist Wien auf der Suche nach einem Serienmörder.
Manche Filme stinken regelrecht durch den Bildschirm hindurch. Die Krimi-Groteske DER MÖRDER KOMMT AUF LEISEN SOCKEN ist so ein Film, der einen in miefige (Studio-)Wohnungen entführt, die von ekligen Menschen beseelt werden. Der Geruch von Moder und schlechter Laune liegt in der Luft, ebenso der Geruch von Fleisch. Von Menschenfleisch!
Mit dem Schlachter Otto Lehmann wandelt Zurli, kaum übersehbar, auf den Spuren zweier deutscher Serienmörder-Legenden: Peter Kürten und Fritz Haarmann. Offiziell wurde dies zwar nicht ausgeschrieben, aber die Parallele sind kaum übersehbar. Auch wenn es keine Beweise dafür gab, dass Haarmann seine Opfer tatsächlich zu Wurst verarbeitet hat, ist stark davon auszugehen. Hier ist es jedenfalls so und unterstreicht noch mal mehr den ekligen Gesamteindruck, den DER MÖRDER KOMMT AUF LEISEN SOCKEN bei mir hinterlassen hat.
Es sind vor allem die widerlichen Figuren, die hier mit ihrem Wiener Akzent (synchronisiert) das Bild verpesten, allen voran natürlich der Amerikaner Victor Buono als Otto Lehmann. Buono spielt auf beinah unheimlich überzeugende Art den Schlachter und Frauenwürger. Sein fürchterliches Grinsen und sein bissiger Humor, der schnell in einen Gewaltausbruch umschlägt, ist reichlich überzeichnet, aber das trifft auf jeden hier zu, auch auf Brad Harris als Journalist Mike Lawrence. Immerhin sorgt Karin Field und Hansi Linder für ein wenig Nettigkeit in diesem ansonsten arg versifften Krimi.
Die Atmosphäre, die durch die Sets (Schlachterei, Hinterhöfe, Wohnungen) aufgebaut wird, ist wirklich gelungen, und Zurli hat es geschafft, die Aura des Moders bis zum Ende aufrecht zu halten. Die wenigen Aufnahmen des tatsächlichen Wiens, erscheinen wie kleine Lichtblicke, um Luft zu holen, die man danach wieder anhalten muss. Abgerundet wird die Inszenierung von einem schönen Score von Alessandro Alessandroni.
DER MÖRDER KOMMT AUF LEISEN SOCKEN ist ein krudes Serienmörder-Krimi-Vergnügen, was auf Spannung und explizite Gewalt verzichtet und sich lieber auf verschrobene Figuren und auf eine Atmosphäre, die eine gewisse Faszination für das Ekelhafte voraussetzt, konzentriert.
(Bjoern Candidus)
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