OPERA
(Italien, 1987, Regie: Dario Argento)
Durch einen Unfall der eigentlichen Opernsängerin bekommt die junge Betty die Chance, sich auf der Bühne zu behaupten. Die Premiere der Macbeth-Oper ist ein voller Erfolg, doch hinter der Kulisse kommt es zu einem ersten Mord, und Betty wird bald tyrannisiert und von einem geheimnisvollen Killer verfolgt.
Durch Horrorfilm-Bücher, Magazine und der Dokumentation STEPHEN KING‘S WORLD OF HORROR bin ich als Jugendlicher auf den Namen Dario Argento gestoßen, dessen Werk mich sofort interessiert hat.
OPERA war der erste Film von Argento, den ich gesehen habe. Das war in etwa Mitte der 90er Jahre, als er unter dem TV-Titel IM ZEICHEN DES RABEN auf ZDF in einer extrem stark gekürzten Form zu sehen war. Doch egal, was von dem Film übrig blieb und wie sprunghaft er durch die Schnitte wurde, ich war fasziniert von dem, was ich sah. Bis heute hat OPERA einen festen Platz in meinem Herzen und mit jeder Sichtung bin ich erneut fasziniert von diesem Film, auch wenn er kleinere Probleme hat.
Auf beeindruckende Art lässt Argento die Zutaten des Giallo-Kinos der 60er- und 70er-Jahre aufleben und modernisiert sie durch den Anstrich der 80er-Jahre wie bereits bei TENEBRE (1982). Der Hauptschauplatz in OPERA ist ein Operngebäude, was Argento durch faszinierende Kamerafahren zum Leben erweckt. Die gesamte Ausstattung ist eine Augenweide. Die zauberhaften Kostüme und das düstere Bühnenbild der Shakespeare-Aufführung „Macbeth“ verleihen der Inszenierung etwas Mystisches, was durch die zahlreichen Raben, die überall herumfliegen, unterstrichen wird. Die schlauen Krähenvögel haben immer wieder einen Auftritt und helfen schließlich bei der Suche nach dem Killer. Der Killer selbst, gekleidet mit einer schwarzen Sturmhaube aus Samt und einem Trenchcoat, geht äußerst perfide vor, und ihm ist vor allem daran gelegen, die Opernsängerin Betty bei seinen Morden zuschauen zu lassen, was er mittels Nadeln schafft, die er ihr unter die Augenlieder klebt. Argento baut in diesen Szenen nicht nur Spannung auf, sondern präsentiert auch ein paar drastische Gore-Einlagen. Immer wieder liefert er Szenen, die sich einbrennen, wenn z.B. Daria Nicolodi als Mira durch den Türspion erschossen wird oder Bettys Freund Stefano (William McNamara) ein Messer durch den Hals in den Mund getrieben bekommt. Aber nicht nur die Effekte sehen hervorragend aus, sondern auch alles andere. Immer wieder greift Argento zu farbigem Licht mit dem er die Schauplätze bespielt. Neben der Oper sind besonders die Szenen in Bettys Wohnung hervorzuheben, in die der Killer eindringt. Mit Hilfe eines kleinen Mädchens aus der Nachbarschaft kann sie durch das Lüftungssystem entkommen. Cristina Marsillach mag als Betty unterkühlt wirken, dennoch gibt sie ein gutes Schauspiel ab. Die anderen Figuren erfüllen lediglich ihren Zweck, dem Killer Opfer zu liefern. Mit einer Tätersuche im eigentlichen Sinn bekommt man es nicht zu tun, aber der Täter ist ja auch damit beschäftigt, Betty zu suchen. Dass man es nicht mit einer starken Story zu tun bekommt, ist bei Argento fast verständlich und auch stets zu verzeihen, denn hier wirken andere Kräfte.
Etwas zwiespältig sind die musikalischen Einsätze. Brian und Roger Eno, Claudio Simonetti und die Stücke von Guiseppe Verdi passen hervorragend, doch leider kommt es, wie bei PHENOMENA (1985), zum Einsatz von Heavy Metal (hier Steel Grave), der einfach unpassend wirkt.
OPERA ist ein hervorragend inszenierter, sehr düsterer Giallo mit einer starken Sogwirkung, die die flache Handlung vergessen lässt.
(Bjoern Candidus)
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