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Mondo Cane, 1962 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

MONDO CANE
(Italien, 1962, Regie: Gualtiero Jacopetti, Franco Prosperi, Paolo Cavara)

– Alle Aufnahmen, die Sie in dem Film sehen werden, sind wahr und ungeschminkt. Es sind auch manche bittere Berichte darunter, weil vieles bitter und schamlos ist auf dieser Welt. Der Chronist soll Wahrheiten nicht beschönigen, sondern objektiv betrachten. Nur wer die Wirklichkeit erkennt, wird auf die Wahrheit stoßen. – 

Mit dieser Texttafel startet MONDO CANE von Gualtiero Jacopetti, Franco Prosperi und Paolo Cavara. Mit dem nicht selten rassistischen Blick der 1960er-Jahre geht es hier rundum den Erdball, um dem Zuschauer eine möglichst große Bandbreite unterschiedlicher Kulturen zu liefern.

MONDO CANE zeigt grausame Rituale, wie das eines Naturvolks, was alle fünf Jahre ein Schweinemassaker abhält, in dem es die Tiere mit Knüppeln totschlägt und anschließend isst, bevor es wieder fünf Jahre fastet. Man sieht Hunde, die in Käfigen auf ihren Tod warten, gehäutete Hunde im Kochtopf, Küken, die für den Osterverkauf bunt gefärbt und bei 50 Grad in einem Ofen getrocknet werden, Gänse, die gestopft werden, Haie, die grausam verstümmelt und gequält werden. Wer die Tötungen von Tieren nicht sehen kann, sollte hier auf keinen Fall einschalten. Aber MONDO CANE zeigt nicht nur Gewalt und Sadismus gegenüber Tieren, sondern zeigt auch Betrunkene auf der Reeperbahn, die sich abends amüsieren und morgens wie Zombies über die Straßen wanken. Man wird Zeuge des Fitnesstrends in den USA und sieht eine Horde alter Frauen, die sich über den Boden rollen oder von sonderbaren Geräten durchgeschüttelt werden, während sich religiös Verblendete in einem Bergdorf in Italien selbst geißeln und eine blutige Spur hinter sich herziehen. 

MONDO CANE war weltweit ein großer Erfolg und füllte die Kinosäle mit einem Publikum, was einen Blick auf die Welt erhielt, den es vorher in dieser Art noch nicht gesehen hatte. Das Mondo-Kino war geboren, und es sollten viele weitere Filme dieser Art erscheinen. Das Hauptproblem, was MONDO CANE hat, ist das Fehlen eines kritischen Kommentars, der dem Zuschauer die Hintergründe der Dinge näher erklärt, statt sie nur auszuschlachten, damit man sich angewidert im Sessel räkelt oder wegschaut. Auch wenn fernöstliche oder afrikanische Kulturen am dominantesten gezeigt werden, wirft MONDO CANE aber auch ein Blick auf die westliche Welt, in der man mit Tieren ebenso grausam umgeht, wenn auch auf andere Art. 

Im Gegensatz zu vielen Mondos, die meistens aus einer lieblosen Aneinanderreihung von Gräueltaten besteht, kann MONDO CANE durch seine visuelle Kraft der Bilder überzeugen. Wunderschöne Naturaufnahmen stehen im Kontrast zu den bedrückenden Hochhausschluchten, die die westliche Welt prägen. Der Score von Riz Ortolani und Nino Oliviero steht nicht selten im Kontrast zum Gezeigten, aber ist immer hochwertig und schön.  

MONDO CANE ist ein hässlicher, reißerischer Blick auf die Welt, in der wir alle leben, für den man 65 Jahre später Youtube, TikTok und Co. hat, wenn man will.

(Bjoern Candidus)

←Tales from the Darkside: The Movie, 1990 – ★★★★½
The Return of Swamp Thing, 1989 – ★★½→

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