RACKET
(IL GRANDE RACKET, Italien, 1976, Regie: Enzo G. Castellari)
Wenn Enzo G. Castellari eins besonders gut konnte, dann war es Action-Szenen zu inszenieren, die mit Explosionen, Verfolgungsjagden, Schießereien, Schlägereien oder sonstigen Gewaltausbrüchen gefüllt wurden. RACKET ist ein hervorragendes Beispiel für Castellaris Können.
Unter den vielen Poliziotteschi ist RACKET ein besonderer Kandidat, der die Opfer zu Tätern macht und das allseits beliebte Thema der Rache und Selbstjustiz auf die Spitze treibt. Polizei, geschundene Bürger und verurteilte Verbrecher tun sich zusammen, um das Syndikat namens Racket zu vernichten. Dass das kein leichtes Unterfangen wird, zeichnet sich schnell ab, denn hier wird auf beiden Seiten massig gestorben, und zwar die ganze Zeit. Von der ersten Minute an drückt Castellari das Gaspedal durch und liefert ein Gefecht nach dem anderen zwischen Polizei und Verbrecher. Es gibt massig blutige Einschüsse (teilweise in Gesichtern) und zwei sehr hässliche Vergewaltigungen, die den Rachewunsch der etwas anderen Task Force durchaus nachvollziehbar macht. Ist der Bodycount bis zum Finale schon recht hoch, legt Castellari dann noch mal richtig nach und lässt die Rohre aus allen Richtungen feuern. Trotz der hohen Geschwindigkeit der Inszenierung bekommt man auch noch Zeit zum durchatmen. Moralische Fragen stellen sich, und die Unmoral scheint hier auf allen Seiten zu siegen, ob verständlich oder nicht.
Auch die Besetzung ist ganz zauberhaft. Fabio Testi startet als Cop Nico Palmieri durch und macht wie immer eine gute, vor allem durchtrainierte Figur. Renzo Palmer darf sich als erpresster Pietro an der Vergewaltigung seiner Tochter rächen, die sich danach das Leben genommen hat, während Orso Maria Guerrini als Sportschützen Weltmeister Gianni Rossetti gezielt die Straßen vom Abschaum reinigt. In weiteren Rollen: Vincent Gardenia, Antonio Marsina, Sal Borgese und Joshua Sinclair.
RACKET ist ein Actionfest unter den Poliziotteschi, was hier 104 Minuten abgefeiert werden darf. Abgerundet wird der wilde Ritt der Rache von einem abwechslungsreichen Score der Gebrüder De Angelis.
(Bjoern Candidus)
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