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What Ever Happened to Aunt Alice?, 1969 – ★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

EINE WITWE MORDET LEISE
(WHATEVER HAPPENED TO AUNT ALICE?, USA, 1969, Regie: Lee H. Katzin / Bernard Girard)

Irgendwo in Arizona, unweit von New Mexico, stirbt Mr. Marrable an einer schweren Krankheit. Mrs. Marrable, fest im Glauben, sie würde ein Vermögen erben, wird schnell eines Besseren belehrt. Immerhin bleiben Habseligkeiten wie ein Briefmarkenalbum. Sie ist pleite, was vor allem ihre Haushälterin zu spüren bekommt, denn die wird von Mrs. Marrable getötet und im Garten vergraben. Gleiches passiert mit ihrer Nachfolgerin Mrs. Tinsley, die Mrs. Marrable ihr Erspartes anvertraut, um es an der Börse anzulegen. Als Mrs. Tinsley nach ihrem Geld fragt, wird auch sie getötet. Auch über ihre Leiche wird ein Baum gepflanzt. Dann stellt sich Mrs. Dimmock als Haushälterin vor, die dem mörderischen Treiben von Mrs. Marrable auf die Spur kommt.

Nach WAS GESCHAH WIRKLICH MIT BABY JANE? und WIEGENLIED FÜR EINE LEICHE ist EINE WITWE MORDET LEISE der Abschluss von Robert Aldrichs unabhängiger Psycho-Horror-Frauen-Trilogie. Diesmal produzierte er nur und überließ die Regie Lee H. Katzin (und dem nicht erwähnten Bernard Girard). Basieren tut der Stoff auf der Novel THE FORBIDDEN GARDEN von Ursula Curtiss.

Auch wenn die inszenatorische und darstellerische Kraft der beiden Vorgänger nicht ganz erreicht wird, muss sich dieser Film nicht verstecken. Der größte Kontrast, der einem im Vergleich entgegenschlägt, ist die Farbe. Von der finsteren Schwarzweißwelt einer Bette Davis geht es hier in die grelle, in die hitzige Welt der Mrs. Marrable. Diese wird großartig verkörpert von Geraldine Page (INNENLEBEN, 1978). Ihre Gegenspielerin: die einzigartige und von Charme triefende Ruth Gordon (HAROLD & MAUDE, 1971). Und damit sind wir bei den beiden Highlights, die diesen Film permanent tragen: zwei alte Damen, die sich immer mehr misstrauen bis es zu einem handfesten Kampf kommt. Ich freue mich immer, wenn alte Menschen in den Fokus von Filmen rücken, was immer seltener wird, vor allem im Genre-Kino. Auch wenn der Zuschauer das Geheimnis von Mrs. Marrable von Beginn an kennt, wird hier durchaus Spannung erzeugt, da man nie so recht weiß, was sie als nächstes plant. Ein weiteres Bonbon ist der Drehort, denn die Außenaufnahmen sind in Arizona entstanden, was dem Zuschauer schöne Naturkulissen bietet, aber die sollen hier nicht im Fokus liegen. Hier darf man sich voll und ganz auf den Irrsinn von Mrs. Marrable konzentrieren, denn so mörderische alte Damen sind nicht allzu häufig im Kino anzutreffen.

EINE WITWE MORDET LEISE ist ein fesselnder Psycho-Thriller, der viel Wert auf die Figuren legt und sich auch visuell nicht verstecken muss.
Sehr schön.

(Bjoern Candidus)

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