THE OTHER HELL
(L’ALTRO INFERNO, Italien, 1981, Regie: Bruno Mattei)
Ein Priester wird zu einem Kloster zitiert, welches von einer Mordserie an Nonnen heimgesucht wird. Anfangs glaubt er noch an das Werk eines Psychopathen, aber schnell wird klar, dass hier ganz andere Mächte am Werk sind.
Bruno Mattei, der die Welt mit so sympathischen Filme wie LIBIDO MANIA – ALLE ABARTEN DIESER WELT (1979), HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN (1980) oder dem am gleichen Set entstandenen DAS SÜSSE LEBEN DER NONNE VON MONZA (1981) belohnte, hat hier, gemeinsam mit seinem Kollegen Claudio Fragasso, einen alptraumhaften Nonnen-Okkult-Horrorfilm geschaffen. Was hier sofort positiv auffällt, ist die dichte Atmosphäre. Man startet mit vielen Totenschädeln, Dank der Aufnahmen in den Grabhöhlen des Friedhofs Fontanelle in Neapel, die ab 1656 als Begräbnisstätte für Pest-Opfer genutzt wurden. Damit man erst gar nicht in Frohsinn umschlagen kann, folgt eine wahnsinnige Nonne, die mit dem Messer die Vagina einer Frau bearbeitet und den Uterus herausschneidet. Da ist schon alles gesagt, könnte man meinen, aber nein, es geht natürlich garstig weiter. Aber es ist halt nicht nur der Gore, der hier Spuren hinterlässt, sondern auch das Gespür für das Nutzen von Lokations, für Ausstattung und für die stimmungsvollen rot-grünfarbigen Ausleuchtungen, die natürlich unweigerlich an die Häuser Bava und Argento erinnern. Erinnert wird man ohnehin ständig. Mario Landis drolliger PATRICK LEBT (1980) ist zu schmecken, sowie Joe D‘Amato zu hören und zu sehen ist. Nicht er selbst, sondern einige Tracks von Goblin aus BUIO OMEGA (1979) sind zu hören und zu sehen: Franka Stoppi aus selbigem Film. Stoppi ist hier die Obernonne, was natürlich exzellent passt. Neben ihr ist Carlo De Mejo (EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL, 1980), Andrea Aureli (DER TEUFEL FÜHRT REGIE, 1973) und Franco Garofalo (HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN) an Bord.
Warum ausgerechnet dieser Film damals bis heute nicht den Weg nach Deutschland geschafft hat, bleibt rätselhaft. Er wäre damals, wie viele seiner Kollegen, beschlagnahmt worden und somit zu einem kleinen Klassiker seines Faches avanciert, mutmaße ich mal.
Hirnverbrannte Nonnen, bittere Gewalteinlagen und eine morbide Atmosphäre mit vertrauten Gesichtern machen THE OTHER HELL zu einem ansehnlichen Horrorfilm und zu einem der besten Beiträge im Œuvre von Bruno Mattei.
(Bjoern Candidus)
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