DIE HALUNKEN
(LE CINQUE GIORNATE, Italien, 1973, Regie: Dario Argento)
Ein Film über die Besetzung Mailands durch die Österreicher im Jahre 1848 würde man im Œuvre Argentos erst mal nicht vermuten, und in der Tat war das auch nicht der Plan des Meisters. Zumindest wollte Argento hier gar nicht die Regie übernehmen, die nämlich für Nanni Loy vorgesehen war. Aber da sich Argento sowieso nicht nur auf das Thriller-Kino fixieren wollte, nahm er auf dem Regiestuhl Platz und verfilmte sein Drehbuch, was er mit Luigi Cozzi zusammen schrieb, selbst.
Was sofort ins Auge stößt ist die schwebende Kamera und die
starke Fotografie von Luigi Kuveiller, der auch später PROFONDO ROSSO (1975) einfing. Ebenso versiert ist die Ausstattung und Argentos Talent, Architektur, innen wie außen, zu inszenieren. In dem Bereich schimmert der Italiener am meisten durch. Dass Argento auch immer wieder an Humor interessiert ist, zeigt er mit diesem Film am deutlichsten. Der klamaukige Anfang dürfte nicht jedermanns Sache sein. Der Kontrast zwischen Komödie und Historien-Kriegs-Drama ist manchmal sehr hart. Die ein oder andere Gewaltspitze ist schon erstaunlich. Die Inszenierung schmeckt weder nach Fisch noch nach Fleisch, außerdem ist sie mit fast 2 Stunden Spielzeit an manchen Stellen einfach zu lang geraten. Formal gesehen stimmt eigentlich das Meiste, und mit Adriano Celentano und Enzo Cerusico in den Hauptrollen wurde zudem ein sympathisches Duo gefunden, was es durchaus versteht, den Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen.
DIE HALUNKEN eine Mischung aus Historien-Komödie, Kriegs-Satire mit Abenteuer-Einschlag über den zeitlosen Wahnsinn von Macht- und Eroberungsgeilheit. Der Film sitzt nicht immer, ist etwas zu lang geraten, wurde aber aus technischer Sicht sehr gut umgesetzt.
(Bjoern Candidus)
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