DER GELBE TEPPICH
(LA CASA DEL TAPPETO GIALLO, Italien, 1983, Regie: Carlo Lizzani)
Franca und Antonio wohnen in einem modernen Gebäudekomplex. Da sie den großen gelben Teppich loswerden wollen, den ihnen Antonios Vater geschenkt hat, setzen sie ein Inserat in die Zeitung. Ein Mann meldet sich darauf, der am anderen Tag vorbeikommt, als Antonio nicht zugegen ist. Franca lässt den alten Mann in die Wohnung, der sehr aufdringlich wird. Als er ihr erzählt, dass er einst seine Frau auf dem gelben Teppich getötet hat, eskaliert die Situation.
Es müssen nicht immer große Bilder mit ausschweifenden Kamerafahrten und hochstilisierten Morden von behandschuhten Mördern sein, die das Giallo-Kino beflügeln. Ebenso ist das Whodunit-Prinzip nicht zwingend notwendig, was Carlo Lizzani hier unter Beweis stellt. Die Story selbst basiert auf dem Theaterstück „Theatre at Home“ von Aldo Selleri.
Lizzani, der mit über 70 Regiearbeiten in sämtlichen Genres ein fleißiger Mann war, liefert in der ersten Hälfte ein beklemmendes Kammerspiel, dem dann ein überraschender Twist folgt, der alles auf den Kopf stellt und erst mal absurd wirkt. Aber in dieser Absurdität steckt ein cleverer Gedankengang, der den Film von seinen Giallo-Kollegen absetzt. Mit 1983 haben wir es ohnehin mit einem Spät-Giallo zu tun, und das erkennt man auch sofort, denn der moderne Gebäudekomplex, in dem das Ehepaar wohnt, ist ungewöhnlich. Allerdings sieht man das Gebäude nur selten von außen. Die meiste Zeit spielt in der Wohnung von Franca und Antonio, und die ist recht neutral gehalten. Visuell bietet der Film nur wenig Schauwerte. Er wirkt trist, aber das verleiht ihm auch einen kalten, realistischen Anstrich. Vielmehr konzentriert sich Lizzani auf die Geschichte und die interessanten Figuren, die wirklich gut besetzt wurden. Franca wird sehr überzeugend von Béatrice Romand (THEMROC, 1973) dargestellt. Antonio wird von Vittorio Mezzogiorno (LA ORCA, 1976) verkörpert, der mir als einziger nicht so gut gefiel. Der Ausgleich kommt mit Erland Josephson (DIE STUNDE DES WOLFS, 1968) als den Teppich-Interessierten, den er höchst eindringlich spielt. Ebenfalls überzeugend: Milena Vukotic (ANDY WARHOL‘S DRACULA, 1974) als seine helfende Hand. Auch wenn Mezzogiornos Spiel etwas sonderbar wirkt, stört er nicht das ansonsten wunderbare Ensemble. Und damit sich doch noch ein paar klassische Giallo-Gefühle einstellen, liefert Stelvio Cipriani den Score.
DER GELBE TEPPICH ist ein spannend inszenierter Kammerspiel-Giallo mit interessantem Inhalt und einer starken Besetzung.
(Bjoern Candidus)
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