DÄMONIA
(AENIGMA, Italien, Jugoslawien, 1987, Regie: Lucio Fulci)
Bei einem gemeinen Streich, der von Kathys Mitschülerinnen und ihrem Sportlehrer ausgeht, kommt es zu einem schrecklichen Unfall. Kathy wird von einem Auto erfasst und fällt ins Koma. Während ihr Gehirn keine Aktivitäten mehr zeigt, sinnt ihr Geist nach Rache und fährt in den Körper der neuen Schülerin Eva. Diese wird nun als Instrument benutzt, um Kathys bösartigen Mitschülerinnen ins Jenseits zu befördern.
Nach Fulcis Fantasy-Trip CONQUEST (1983), dem Scifi-Actionfilm DIE SCHLACHT DER CENTURIONS (1984), dem Disco-Pop-Giallo MURDER ROCK (1984) und dem Mystery-Erotik-Thriller-Drama IL MIELE DEL DIAVOLO (1986) kehrte er mit DÄMONIA zurück zum reinen Horrorfilm.
Unschwer zu erkennen sind die Inspirationsquellen, die hier wohl gedient haben: CARRIE (1976), PHENOMENA (1985) und vor allem PATRICKS HÖLLENTRIP (1978), bzw. das italienischen Pendant PATRICK LEBT! (1980). Wie beide Patricks liegt auch Kathy passiv im Bett, obwohl ihr Geist aktiv ist und tötet. Die Härte von PATRICK LEBT! wird hier allerdings nicht im Ansatz erreicht. Überhaupt ist der Film in Sachen Gore verhältnismäßig handzahm, also für Fulci-Verhältnisse. Der Ekel steht mehr im Vordergrund, vorausgesetzt, man hat eine Abneigung gegen Schnecken. Ähnlich wie in ÜBER DEM JENSEITS (1981), wo eine Horde Vogelspinnen einen Mann frisst, verspeisen hier hunderte von Schnecken eine Frau, was ziemlich unangenehmem aussieht, egal, wie man Schnecken findet. Auf die typische Fulci-Geräuschkulisse wird natürlich auch nicht verzichtet. Die Zeiten der atmosphärischen Settings sind leider vorbei; hier hält man sich größtenteils im Internat oder im Krankenhaus auf. Hin und wieder gelingt Fulci eine annehmbare Horror-Stimmung zu erzeugen, aber die Wirkung und Qualität seiner Gates-of-Hell-Trilogie wird zu keiner Zeit erreicht. Gedreht wurde im ehemaligen Jugoslawien. Was aber in einem italienischen Studio entstanden sein dürfte, ist die sonderbare aus der Vogelperspektive gefilmte Sequenz, in der man das Krankenhaus und weitere Häuser sieht, die ganz klar Miniatur-Modelle sind.
Das Hauptproblem der Produktion sind die weniger guten Darsteller. Die Zeiten der großen und kleinen Namen des italienischen Kinos waren 1987 fast vorbei. Der US-Amerikaner Jared Martin, der Dr. Robert Anderson spielt und Klaus Kinskis Nichte Lara Naszinski, bzw. Lamberti, die die von Kathys Geist beseelte Eva verkörpert, dürften die einzigen halbwegs bekannten Personen sein, die hier auftaucht. Im darstellerischen Bereich ist der Film absolut lahm, was zur abgedroschenen Story passt. Auch aus ästhetischer Sicht macht es einem DÄMONIA nicht leicht. Die 80er-Jahre werden einem durch die Frisuren, Kleidung und Musik ins Gesicht gepfeffert. Oder man geht den Weg über Poster, die an den Wänden der Mädels hängen. Ein Let‘s Dance-Bowie, ein TOP GUN-Tom Cruise und ein ROCKY-Stallone sind zu sehen, und über Sly darf sogar eine Schnecke kriechen.
Ein bisschen Ekel, ein wenig Spannung und ein Hauch von Atmosphäre können DÄMONIA gerade noch vor dem Ertrinken retten.
(Bjoern Candidus)
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