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Rabbit in the Pit, 1969 – ★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

HÄSCHEN IN DER GRUBE
(Deutschland, 1969, Regie: Roger Fritz) 

Leslie, ihr Hase und ihre Eltern, genauer: ihre leibliche Mutter und ihr Stiefvater, sind mit dem Auto auf den Weg nach Spoleto (Umbrien, Italien). Maurice Pouliard ist ein angesehener Dirigent, der dort auf einem Festival auftreten soll. Da der tyrannische und äußerst toxische Maurice den Hals nicht voll bekommt, führt er nicht nur mit Francine, sondern auf mit ihrer halbwüchsigen Tochter ein sexuelles Verhältnis. Obwohl Francine zusehends mehr darunter leidet, Maurice mit ihrer Tochter Leslie zu teilen, lässt sie ihn gewähren, da sie ihn zum leben braucht. Als Leslie auf den jungen und knackigen Performancekünstler Brian stößt, verliebt sie sich in ihn. Sehr zum Missfallen von Maurice, versteht sich. Der hat nur noch ein Ziel: das junge Glück erst gar nicht stattfinden zu lassen. 

Wie schon in seinem Debütfilm MÄDCHEN, MÄDCHEN (1967) wirft Roger Fritz auch hier wieder ein Blick auf die Liebe und skizziert den Zusammenstoß zwischen den Generationen. In HÄSCHEN IN DER GRUBE verkompliziert er die Situation und liefert eine brisante Viererkonstellation. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der jugendlichen Leslie, die die Welt potenter Männer entdeckt, sehr zum Missfallen ihrer Mutter, die nämlich mitansehen muss, wie sich ihre Tochter mit ihrem Liebhaber Maurice vergnügt. Und so entfaltet sich hier ein brisantes Liebesdrama, was sich vor sommerlicher Kulisse abspielt und visuell im harten Kontrast zu MÄDCHEN, MÄDCHEN steht, der sich noch in Schwarzweiß präsentierte. 

Der Film startet mit einer sonderbaren, fast traumartigen Geräuschkulisse in einem Auto, in dem die Mutter bereits misstrauische Blicke auf ihren Liebhaber wirft, auf dessen Schoß der Kopf ihrer Tochter liegt, die auf ihm schläft. Ab dem Punkt ist bereits alles klar, und es soll noch komplizierter werden. 

An dieser Stelle möchte ich den Evangelischen Filmbeobachter zitieren, der einst schrieb: „Schmuddelige Vierecksgeschichte, worin ein musizierender Gammler einen Stardirigenten hart trifft, weil er ihm das Töchterchen wegschnappt, mit dem der Dirigent lieber schläft als mit der Mama. Peinlich. Abzuraten.“

Das klingt nach einem Film für mich. Der Kontrast zwischen der feinen Gesellschaft, die sich zwischen Maurice, dem Dirigenten, dem Ballettlehrer von Leslie, dem anderen hochnäsigen Volk, was sich in dem schönen Spoleto pudelwohl fühlt und den Hippies, Musikern und Künstlern, die sich dort ebenso aufhalten, könnte nicht größer sein. Auch wenn beide Seiten ihr Wohl in Musik und Darstellung finden, hat die eine Seite kein Verständnis für die andere. Zwei unterschiedliche Lebenseinstellungen prallen aufeinander, und das Bindeglied: ein Liebespaar. Leslie trifft schnell auf Brian aus der Künstler- und Hippie-Szene, womit der Konflikt vorbereitet ist. Leslie wird von Helga Anders (JET GENERATION, 1968) dargestellt, die in ihrer Rolle so wirkt, als würde sie durch eine fremde Welt wandern. Und das tut sie natürlich auch, denn sie entdeckt die Welt der Liebe. Im Übrigen gemeinsam mit ihrem Hasen, den sie meistens dabei hat und ihr sonderbares Schauspiel noch mehr unterstreicht. Der Lustmolch Maurice wird von Anthony Steel (WINNETOU 2, 1964) verkörpert, der die Widerwärtigkeit seiner Figur gut ausfüllt. Sein Störfaktor Brian wird von dem schönen Ray Lovelock (EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN, 1976) dargestellt. Françoise Prévost (DIE SÜNDIGEN NONNEN VON ST. VALENTIN, 1974) spielt Francine, die hier letztlich am wenigsten Beachtung findet. Eine tolle Ausstrahlung besitzt sie dennoch. 

Fritz zeigt beide Welten. Es gibt schöne Ballett- und Theater aufnahmen in einem pompösen Saal und bizarre Performance unter den Hippies, die in ganz anderen Spähren schweben. Fritz hält sich nie lange auf. Kameramann Rüdiger Meichsner liefert im schnellen Wechsel viele schöne Bilder von Architektur und Natur, die natürliche auch einen alten Mann mit einem jungen Mädchen zeigen, die sich vergnüglich im Sand rollen und sich befummeln. Im nächsten Augenblick vergnügt sich Leslie wieder mit Brian. Der eklige Maurice gegen den schönen Brian – die Unterschiede könnten kaum größer sein. Das wird auch Leslie immer mehr bewusst, und sie löst sich zusehends von Maurice. Der versucht seine Macht durchzusetzen, um die Liebe zwischen Leslie und Brian zu verhindern. Kaum nachvollziehbar, aber auch nicht unmöglich, ist das Verhalten von Leslies Mutter Francine. Sie weiß von der unheiligen Beziehung zwischen Maurice und ihrer Tochter und toleriert es seit zwei Jahren, aber nur, weil sie ohne ihn nicht leben kann. Das klingt alles provokativer als es umgesetzt wurde. Für eine deutsche Produktion von 1969 stichelt man hier natürlich, aber eine tiefere Auseinandersetzung des Problems in hier nicht die Rede. Von Nacktheit oder Sex-Szenen ist hier ebenfalls nichts zu sehen. 

HÄSCHEN IN DER GRUBE ist ein visuell sehr schöner Film, der manchmal fast surreale Momente aufkommen lässt. Handwerklich gibt es nichts auszusetzen. Auch wenn die Liebesgeschichte recht interessant ist, haben mich die Figuren emotional völlig kalt gelassen. Immerhin spart sich Fritz unnötiges Liebesgefasel. Insgesamt erscheint das gesprochene Wort fast überflüssig, da sich quasi alles durch Hingucken erklärt, was nicht schlecht ist. Der Film funktioniert vor allem als Zeitdokument über den damaligen Zeitgeist. Ein wirklich kontroversen Drama habe ich nicht entdeckt. 

(Bjoern Candidus)

←Sartana Does Not Forgive, 1968 – ★★
I Drink Your Blood, 1971 – ★★★★→

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