CAGED WOMEN II – GEPEINIGT UND GEQUÄLT
(THE BARN OF THE NAKED DEAD, USA, 1973, Regie: Alan Rudolph)
Der wahnsinnige Andre hält sich in seiner Farm entführte Frauen, die er für einen Menschenzirkus abrichten will. Also drei Showgirls entführt, begibt sich ihr Manager auf die Suche nach ihnen. Doch die Zeit wird knapp, die groß Zirkusnummer steht kurz vor ihrer Premiere.
Wenn einem im Rahmen von Horrorfilmen karge, sonnige, abgeschiedene Landstriche mit Farmen, Ranchen und heruntergekommen Tankstellen begegnen, lässt einen das meistens an TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) erinnern. Doch vorher gab es Filme wie PIGS (1973) oder eben CAGED WOMEN II von Alan Rudolph, die sich bereits in diesen Gefilden gesuhlt haben. Und so startet der Film mit einer Szene auf einem Highway, der vor Hitze flimmert. Dort stehen zwei Tramperinnen, die von einem Mann in einem Jeep mit ins Verderben genommen werden. Als nächstes bekommt man eine heruntergekommene Tankstelle präsentiert. Aber keine Angst, man ist hier nicht in Texas, sondern in Kalifornien. Auch spätere Schauplätze, wie die Farm und die Räume, die der wahnsinnige Andre bewohnt, deuten bereits den Schrecken an, den Hooper kurz darauf perfektionierte und alle ähnlich gelagerten Filme unter sich begrub.
CAGED WOMEN II, der nur in Deutschland diesen irreführenden Titel bekommen hat, zeichnet sich durch eine ordentliche Fotografie aus, bedenkt man, dass es es sich hier um einen günstigen Exploitation-Film handelt. Besonders am Anfang gibt es sehr schöne Bilder vom Highway im Dämmerlicht. Insgesamt ist der Look schön dreckig und versprüht zu jeder Sekunde den Charme des Grindhouse-Kinos.
Rulophs Inszenierung startet vielversprechend, und die Idee von einem Menschenzirkus bestehend aus gefolterten und abgerichteten Frauen, kann verlocken. Gerade Frauengefängnisfilme (WIP) waren ein großes Thema zu dieser Zeit, besonders im europäischen Exploitation-Kino. Hier werden die Themen mit dem üblichen Psychopathen mit Mutter-Komplex, Kidnapping, Folter und Zirkus verknüpft, was auf dem Papier leider besser funktioniert. Die vielen Damen, die sich hier versammeln, dienen lediglich als Dekoration, damit was da ist, was man foltern und erniedrigen kann. Die meiste Aufmerksamkeit bekommt Andrew Prine als Andre, der sich immer zwischen annehmbar und lächerlich bewegt. Ursprünglich war Henry Silva für die Rolle im Gespräch, und es ist bedauerlich, dass daraus nichts wurde. Ansonsten gibt es noch den Manager der drei Damen, die hier vermisst werden und einen Polizisten, der als helfende Hand zur Seite steht. Da die Erwartungshaltung in solchen Produktionen ansprechende Schauspieler zu bekommen, ohnehin sehr gering ist, fällt die Besetzung nicht weiter ins Gewicht, da man ja andere Schauwerte hat. Von Schauwerten möchte ich allerdings auch nicht sprechen, dennoch hat mich der Film größtenteils unterhalten. Die ein oder anderen Hänger werden mit einem saftigen Finale wieder gutgemacht. Am meisten funktioniert allerdings die Atmosphäre, die schmierige und schwitzige Patina, die über den Bildern liegt und zusätzlich mit einem dissonanten Score von Tommy Vig verstört wird.
CAGED WOMEN II – GEPEINIGT UND GEQUÄLT ist alles andere als ein packender Terrorfilm, obwohl die Anlagen vorhanden sind. Als kurzweiliger Horrorfilm mit geschundenen Frauen kann er aber durchaus unterhalten.
(Bjoern Candidus)
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