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Summer Affair, 1971 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

EIN SOMMER VOLLER ZÄRTLICHKEIT
(IL SOLE NELLA PELLE, Italien, 1971, Regie: Giorgio Stegani)

Lisa ist ganz vernarrt in Robert, ein 19jähriger Hippie aus Frankreich. Doch Lisas Vater, ein reicher Industrieller, hat so gar nichts für Robert übrig. Seine Art zu leben soll nicht auf seine noch minderjährige Tochter abfärben. Es kommt wie es oft kommt: Lisa brennt einfach mit ihrem Robert durch. Sie begeben sich auf eine wunderschöne Insel und tauchen ab in ihre Liebesabenteuer. Dann geht Lisas Vater zur Polizei und meldet seine Tochter als vermisst, bzw. entführt. Eine groß angelegte Suchaktion beginnt.

Giorgio Stegani (DIE LETZTE RECHNUNG ZAHLST DU SELBST, 1967) der hier Regie führte und das Drehbuch schrieb, gibt sehr schöne Einblicke in das Leben junger Menschen. Ihre Sorgen, ihre Hoffnungen und die Probleme durch ihre Umwelt werden aufgezeigt. Robert ist tätowiert (eine kleine Blume auf dem Arm), läuft herum wie ein Hippie und spielt Gitarre. Also ein Typ Mann, der bei der damaligen „Herrenrasse“ alles andere als willkommen war. Zudem ist er Franzose, also ein Ausländer in Bella Italia. Mit diesen Vorurteilen wird von Anfang an gearbeitet, und es wird durch Lisas Vater immer wieder die Angst vor gesellschaftlicher Veränderung thematisiert. Auch für den Polizeichef scheint Robert anfangs ein Dorn im Auge zu sein. Das unangenehme Verhalten der Erwachsenenwelt wird bis zum Schluss immer wieder verdeutlicht. Und so präsentiert Stegani hier einige Themen, die für 1971 sehr brisant gewesen sein dürften. 

Die Wahl der Darsteller ist ebenso gelungen. Ornella Muti (FLASH GORDON, 1980) ist als Lisa an Bord, Alessio Orano (LISA UND DER TEUFEL, 1973) als Robert. Beide sind mit Schönheit und Naivität beschlagen. Ihnen gegenüber stehen Chris Avram (DER MANN AUS VIRGINIA, 1977) und der wunderbare Luigi Pistilli (DER SCHWANZ DES SKORPIONS, 1971).

Aber nicht nur inhaltlich überzeugt EIN SOMMER VOLLER ZÄRTLICHKEIT, sondern auch visuell. Hier darf man wunderschöne Naturkulissen erleben, die eindrucksvoll von Stefano D’Offizi (CANNIBAL HOLOCAUST, 1980) fotografiert wurden. Die Blumen, die Felsen, das Meer, der Himmel… alles erstrahlt in leuchtenden Farben, und einmal geht es sogar unter Wasser, wo sich Lisas und Roberts Körper für Zärtlichkeiten treffen. Für den wirklich passenden Score zeigte sich Gianni Marchetti (FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT, 1975) verantwortlich. 

Junge Leute auf Mofas, Jugendkultur, autoritäre Eltern, ewige Vorurteile und die Macht der Liebe – EIN SOMMER VOLLER ZÄRTLICHKEIT ist ein sehr schönes, kraftvolles Liebesdrama. 

(Bjoern Candidus)

←Dr. Goldfoot and the Bikini Machine, 1965 – ★★
Massacre Time, 1966 – ★★★½→

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