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Born to Fight, 1989 – ★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

BORN TO WIN – IN DER HÖLLE DES DSCHUNGELS
(NATO PER COMBATTERE, Italien, Philippinen, 1989, Regie: Bruno Mattei)

Bruno Mattei hat mir schon viele unterhaltsame Stunden beschert. Die meisten seiner Filme schmücken sich nicht unbedingt mit Qualität, haben es aber oft geschafft mich zumindest gut zu unterhalten, mich aufgrund ihrer billigen Machart in Staunen zu versetzen oder mich einfach nur zum Kopfschütteln gebracht.  Ob mit oder ohne seinen Kompagnon Claudio Fragasso, die Welt um Mattei ist bunt. 

Der Sex-Mondo LIBIDOMANIA – ALLE ABARTEN DIESER WELT (1979) ist höchst amüsant und bietet tolle Einblicke, die ich eigentlich nicht haben wollte, aber dankend angenommen habe. Mit HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN (1980) hat er seinen vielleicht bekanntesten Film gezaubert. Dort reagiert er auf die damals angesagte Zombiefilm-Welle und lässt sowohl Romero als auch Fulci durchblicken. Nein, er kopiert sie förmlich. Aber er streut auch eigenen Wahnsinn mit rein und liefert einen tollen Mix. Erstaunlich düster und brutal wurde es 1981 mit dem Teufels-Nonnen-Horrorfilm THE OTHER HELL, der zu seinen stärksten Filmen zählt, wie ich finde. Endzeitlichen Ratten-Horror mit hohem Unterhaltungswert gibt es mit RIFFS 3 – DIE RATTEN VON MANHATTAN (1984). Danach ging es qualitativ leider noch steiler nach unten. Es folgten vor allem Actionfilme, wie COBRA FORCE (1987) oder DER KAMPFGIGANT (1987), in dem sich sogar Donald Pleasence verirrte. Zeitlich völlig aus dem Rahmen fallen die beiden Spät-Italowestern DER WEISSE APACHE (1987) und SCALPS – SIE KÄMPFT WIE EIN MANN (1987). Zombies folgten dann noch mal mit ZOMBI 3 (1988), bei dem er mit Fragasso für den gesundheitlich angeschlagenen Lucio Fulci eingesprungen ist. Mit ROBOMAN (1988) folgt seine Antwort auf PREDATOR (1987) und ROBOCOP (1987) und mit CONTAMINATOR (1989) folgte die Verwurstung von ALIENS – DIE RÜCKKEHR (1986) und TERMINATOR (1984). Dies sind nur ein paar Beispiele aus der Welt von Bruno Mattei, der sich allzu gern an den großen Erfolgen der anderen orientierte, sich bediente oder sie regelrecht kopierte. Völlig legitim, wenn unter dem Strich unterhaltsamen Minuten dabei herum kommen. 

Im Falle von BORN TO WIN ist das leider nicht geglückt. Hier wandeln Mattei und Fragasso (Story und Drehbuch) auf den Spuren von Filmen wie JÄGER DER APOKALYPSE (1980), IM WENDEKREIS DES SÖLDNERS (1983), aber vor allem RAMBO 2 (1985). 

Hatte ich in den ersten zwei Minuten noch Hoffnung, als ich mich am Set von CUT & RUN (1985) glaubte zu befinden, wurde alles eingerissen, als man fast italowesternartig Brent Huff als C-Indiana Jones Sam Wood in einem Stuhl in einer Bar sitzen sieht. Zu dieser Zeit ist sein hohler Gesichtsausdruck, den er bis zum Schluss behalten wird, noch unter seinem Hut getarnt. Folgen tut man von Anfang an Mary Stevin als Maryline Kane, die einen Job für Sam Wood hat. Die gibt nämlich an, eine Reportage über das Gefangenenlager drehen zu wollen, in dem Sam während des Vietnamkriegs gefangen gehalten wurde. Das Geld überzeugt ihn, und die Reise zurück in die Grüne Hölle kann losgehen. Und wie sehr das Feuer dort noch immer lodert, wird schnell klar, als der garstige Werner Pochath als Duan Loc auf den Plan gerufen wird, der nämlich noch immer Gefangene in seinem Lager hält, u.a. den Vater von Maryline. Pochath, im realen Leben wie auch hier im Film ein Österreicher, ist kaum zu ertragen. Wenn er neben einer Handvoll Vietnamesen steht, wünschte ich mir Klaus Kinski herbei, der Pochath austauscht. Nicht, dass mir der Wahnsinn von
Werner Pochath nicht auch lieb wäre, aber hier schlägt er gemeinsam mit Brent Huff dem Fass den Boden aus. Der eine spielt noch schlechter als der andere, wobei ich Pochath als billig Bösewicht noch besser ertragen konnte als Brent Huff, der in allen Belangen höchst lächerlich wirkt. Action gibt es zu genüge, auch wenn die größtenteils nur aus laufen und schießen besteht. Immerhin wird getroffen und fleißig gestorben. Ganze 156 Morde sagt der Kill Count (Ein Feature der DVD/Bluray von Cinestrange Extreme). Dass hier immer die gleichen fünf Vietnamesen aus dem Leben gefeuert werden, ist eine Mutmaßungen meinerseits. Doch leider ändert das große Sterben nichts an der äußerst schlechten Darstellung der Akteure in einem ohnehin schon billigen Rahmen. In Dschungel-Actionfilmen hat man zumindest immer ein tolles Setting, was Mutter Natur bereithält und so wenigstens für ein bisschen Ansehen sorgt. Das funktioniert auch hier, hält nur nicht lange an, denn schließlich soll es ja heiß hergehen. Der Versuch ist da, aber er scheitert gnadenlos. Hatte DER KAMPFGIGANT, der sich ebenfalls im Dschungel aufhält, wenigstens noch ein bisschen Power, ist das Geballer und die Explosionen, die man hier geliefert bekommt auf unterstem Niveau. Eine gewisse Komik bringt das Ganze natürlich mit sich. Albern wird es auch mit dem Score von Al Festa, der größer ist als jedes Bild, was er hier untermalt. Gehörtes und Gezeigtes läuft teilweise so konträr nebenher, dass es eine wahre Freude ist, dem schrägen Irrsinn zu folgen. 

Dümmliche Figuren, billige Action und Momente jenseits von Gut und Böse, sind die Zutaten von BORN TO WIN, der lediglich als Partyfilm tauglich ist. 

(Bjoern Candidus)

←The Good Son, 1993 – ★★★
Scalps, 1987 – ★★★½→

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