DAS ZWEITE GESICHT
(THE GOOD SON, USA, 1993, Regie: Joseph Ruben)
Willkommen in den 90ern, war mein erster Gedanke, als ich Joseph Rubens (STEPFATHER, 1987) Evil-Culkin-Thriller nach sehr vielen Jahren der Abstinenz wieder gesehen habe. Nachdem man anfänglich die Emotionen mit der Sterbe-Szene der Mutter von Mark (Elijah Wood) hochkochen lässt und sich im Kontrast in sonnigen Gefilden von Arizona befindet, wechselt die Inszenierung ins verschneite Maine. Dort soll Mark vorübergehend bei seiner Tante und seinem Onkel wohnen, während sein Vater auf Geschäftsreise ist. Hier lernt Mark dann seinen Cousin Henry (Macaulay Culkin) kennen, der ihn schnell in seine Welt der Lausbubendummheiten hineinzieht. Und so vertreiben sie sich die Zeit, in der sie Steine schmeißen, Scheiben zerstörten, rauchen oder eine selbstgebaute Armbrust benutzen, die Schrauben abschießen kann. Soweit also nichts Neues. Doch Henrys Gangart ändert sich zunehmend, und er lässt gegenüber Mark durchblicken, dass er ihm besser folgen sollte statt sich gegen ihn zu stellen. Wie ernst es Henry meint, findet Mark raus, als ein Tier stirbt und er einen schwerwiegenden Unfall provoziert.
Joseph Ruben hat ein Händchen dafür, seine Figuren zu inszenieren. Mit den Kinderdarstellern Macaulay Culkin und Elijah Wood hat man eine gute Wahl getroffen; beide agieren sehr lebendig und nerven nicht. Ihnen gegenüber stehen die Erwachsenen (Daniel Hugh Kelly, Wendy Crewson, David Morse), die verhältnismäßig blass bleiben, aber auf die kommt es auch weniger an. Neben einer guten Kameraarbeit von John Lindley, der die kalte, teils verschneite Landschaft von Maine wunderschön eingefangen hat, sorgt Elmer Bernstein für einen soliden Score, der mit den Bildern Hand in Hand geht. Doch DAS ZWEITE GESICHT ist nicht nur gelungen. Vieles ist vorhersehbar, man aalt sich in typischen Klischees oder wiederholt sich. Zwar baut Ruben immer wieder Spannung auf, doch die verebbt manchmal im Sande.
DAS ZWEITE GESICHT ist stellenweise etwas lau, insgesamt aber ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Beitrag in der Welt der Böse-Kinder-Filme, die über die Jahrzehnte immer wieder betreten wird.
(Bjoern Candidus)
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