MURDER OBSESSION
(FOLLIA OMICIDA, Frankreich, Italien, 1981, Regie: Riccardo Freda)
Michael bereist seine psychisch kranke Mutter in ihrer Villa auf dem Land. Im Schlepptau hat er seine Freundin Debora und weitere Freunde, die ausspannen möchten. Doch Michael ist seit seiner Kindheit traumatisiert. Er soll seinen Vater erstochen haben, um seine Mutter zu schützen. Michael hat jedoch keine Erinnerungen mehr an den Tathergang. Aus dem geplanten Urlaubstrip wird ein Alptraum, als die erste Person tot aufgefunden wird.
Zehn Jahre nach seinem letzten Giallo, dem garstigen DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM (1971), kehrt Freda in ähnliche Gefilde zurück, bewegt sich aber vielmehr noch in Richtung seiner Gothic-Horrorfilme DER VAMPIR VON NOTRE DAME (1957) und DAS SCHRECKLICHE GEHEIMNIS DES DR. HICHCOCK (1962). Damit bedient er nicht gerade die Themen, die ab 1979 mit Fulcis WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES auf dem Programmplan der Italiener standen. Die Geschichte ist zwar in der damaligen Gegenwart angesiedelt, aber Freda tut alles, um den unheimlichen Geist seines vergangenen Schaffens heraufzubeschwören, aber gleichzeitig auch zu modernisieren. Dabei serviert er zumindest zeittypische Gewalteinlagen, die kurz, aber ziemlich blutig sind. Das Hauptaugenmerk liegt aber klar auf den Figuren und auf den Beziehungen, die sie miteinander führen. Mit Anita Strindberg, Laura Gemser, John Richardson, Stefano Patrizi und Silvia Dionisio ist man bestens bedient, was Besetzung angeht. Allerdings kommt es zu viel Geschwätzigkeit, die manchmal etwas langatmig ist, andererseits bekommt man gleichzeitig auch immer schöne Bilder vor tollen Kulissen (innen wie außen) gereicht, die alles ausgleichen. Kameramann Cristiano Pogany liefert große Bilder. Ob es die Naturkulisse ist, die reichhaltig ausgestattete Villa oder die alptraumartigen Traumsequenzen, hier sieht alles edel aus, und manchmal glaubt man sich direkt bei Bava oder Argento aufzuhalten. Das Schwarzweiß seiner alten Gothic-Horrorfilme weicht natürlichen Farben, die dennoch genug Finsternis zulassen, um sie dann wieder mit Licht zu durchbrechen. Weniger erbaulich, und für mich der größte Schwachpunkt an der Inszenierung, ist die schwere, oft unpassende Klaviermusik von Franco Mannino, die in einem Stummfilm mehr Anklang gefunden hätte. Die wenigen modernen, experimentellen Töne stammen dann von Carlo Maria Cordio.
Lügen, Manipulation, Sex bis hin zu inzestuösen Verwirrungen; okkulte Rituale, Riesenspinnen, Totenschädel, blutige Morde und schöne Frauen an Andreaskreuzen, machen MURDER OBSESSION zu einem reichhaltigen Gothic-Horror-Giallo, der lediglich kleine Störfaktoren hat, die ich verschmerzen konnte. Ein schöner Abschluss von Riccardo Freda, der hier seinen letzten Film als Regisseur ablieferte.
(Bjoern Candidus)
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