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Nosferatu in Venice, 1988 – ★★★½

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

NOSFERATU IN VENEDIG
(NOSFERATU A VENEZIA, Italien, 1988, Regie: Augusto Caminito, Luigi Cozzi)

Professor Catalano macht sich auf nach Venedig, um der Bitte der jungen Prinzessin Helietta Canins nachzukommen. Der Spezialist auf dem Gebiet des Okkultismus soll den Sarkophage im Keller des Hauses öffnen, in dem die Gräfin Nosferatu glaubt, der dort eingesperrt ruht. Doch der Sarkophag ist mit schweren Eisenträgern versiegelt, die es Catalano nicht ermöglichen, ihn zu öffnen. Wenig später findet eine Séance im Hause Canins statt, in der Nosferatu beschworen wird. Doch der Vampir entsteigt nicht dem Sarkophag, sondern wacht in einer Kiste auf, die eine Gruppe von Tänzern transportiert. Er macht sich auf den Weg in die Lagunenstadt, wo er Helietta begegnet, in der er seine verstorbene Liebe von vor 200 Jahren sieht. 

NOSFERATU IN VENEDIG stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Produzent Augusto Caminito brauchte drei Anläufe mit drei unterschiedlichen Regisseuren, um die Dreharbeiten endlich richtig starten zu können. Und so nahm nach den angedachten Regisseuren Maurizio Lucidi, Pasquale Squitieri und Mario Caiano, die hier mehr oder weniger alle schon Hand an legten, Augusto Caminito selbst Platz auf dem Regiestuhl und holte sich Luigi Cozzi an seine Seite. Cozzi war vor allem für die Effekt-Szenen verantwortlich. Klaus Kinski wird nicht nur als Darsteller, sondern auch als Regisseur gelistet, denn der sorgte unter seiner eigenen Regie für die morgendlichen Venedig-kurz-nach-Sonnenaufgang-Szenen. In denen sieht man Kinski als Nosferatu, wie er auf einer Gondel steht und die Kanäle durchfährt oder die Lagunenstadt zu Fuß durchquert. Das sind wirklich sehr ansehnliche Aufnahmen, die die Inszenierung aufwerten. Die Story ins 18. Jahrhundert zu verlegen, ist bei diesem fantastischen Schauplatz im Grunde ein Kinderspiel. Visuell braucht sich NOSFERATU IN VENEDIG ohnehin nicht verstecken. Egal, unter welchen Umständen der Film entstanden ist, er sieht immer schön aus und ist sehr atmosphärisch. Die kalten, düsteren, traumartigen Bilder werden untermalt von Vangelis und Luigi Ceccarelli.

Das große Problem von NOSFERATU IN VENEDIG ist wahrlich nicht sein Äußeres, sondern die wirre Story und die sprunghaften Szenen, die durch die vielen Hände, die hier am werkeln waren, zustande gekommen sind. Die Probleme fingen bereits beim Drehbuch an, schließlich war der Film ursprünglich mal als eine direkte Fortsetzung zu NOSFERATU – PHANTOM DER NACHT (1979) geplant. Ein Plan, der schnell über Bord geworfen wurde. Aus vielen Ideen wurde schließlich eine sonderbare Story konstruiert, die zumindest irgendwie aufgeht.

Das allgemeine Verhalten und das Erscheinungsbild Kinskis als Nosferatu weicht hier deutlich von seinem vorherigen ab. Statt mit einem kahlen Schädel präsentiert er sich hier mit (seinen) langen, aschblonden Haaren und mit Kajalstift geschwärzte Wimpern. Während die Spitzen Vampirzähne weiter mittig nebeneinander sitzen, werden seine Klauen zu Hände. Mit seinem barocken Kostüm wäre er zudem auf jeder Gothic-Party willkommen. Wie bei Stoker im Roman, aber in den wenigsten Verfilmungen berücksichtigt, kann Dracula auch am Tage wandeln, wenn auch nur geschwächt und machtlos. Hier wird das berücksichtigt, wird aber ergänzt durch die Aussage, dass Nosferatu 24 Tage wach ist, bevor er für 24 Stunden schlafen muss, um sich zu regenerieren. Neu (?) ist auch die Behauptung, Quecksilber sei das einzige Metall, was Vampir tötet kann. Aber das Schöne an all den Vampirgeschichten ist auch die Weiterentwicklung des Stoffes. 

Neben Kinski dürfen auch zwei weitere Legenden den Schauplatz betreten: Christopher Plummer und Donald Pleasence. Plummer ist als Forscher des Okkulten, Professor Paris Catalano, im Einsatz, während Pleasence als Priester Don Alvise leider nur wenig Einsatz zeigt. Darüber hinaus finden sich noch Yorgo Voyagis, Maria Cumani Quasimodo und Barbara De Rossi im Cast. 

NOSFERATU IN VENEDIG ist ein Film für die Augen und Ohren, der eine düstere Vampir-Romantik mitbringt, die es in den 80er-Jahre nur selten zu entdecken gab, schon gar nicht im italienischen Horrorkino. Die verfahrene Story fällt durch Kinskis Anwesenheit kaum ins Gewicht.

(Bjoern Candidus)

←The Leech Woman, 1960 – ★★½
King Solomon’s Treasure, 1979 – ★½→

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