DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS
(SCARS OF DRACULA, GB, 1970, Regie: Roy Ward Baker)
Die Bevölkerung atmet auf, denn Dracula ist vernichtet. Von dem Vampir ist lediglich seine Asche übrig. Doch die Mächte der Finsternis schicken eine Fledermaus, die mit einer Blutspende die Asche von Dracula benetzt, der dadurch wieder zurückkehrt, um nach Blut zu gieren.
Gleich drei Vampirfilme hat Roy Ward Baker 1970 für die Hammer-Studios inszeniert: GRUFT DER VAMPIRE, der erste Teil der Karnstein-Trilogie, DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS und DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE (1974). Im Gegensatz zu den Vorgängerfilmen, die immer aneinander anknüpfen, ist DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS losgelöst. Zwar zerfiel Dracula auch im Vorgänger zu Asche, doch spielte dieser nach seiner Eröffnung in Transsilvanien in London, wo Dracula sein Ende in einer verlassenen Kirche fand. Hier ist man von Anfang an wieder in Transsilvanien. Zwar wird Karlsbad, was man aus DRACULA (1958) kennt, nicht erwähnt, aber Keinenberg (hier Kleinenberg), was in DRACULAS RÜCKKEHR (1968) im Zentrum stand. Wo auch immer die Geschichte angesiedelt ist, es sieht stilistisch gut aus und geht ein wenig zurück zu den Anfängen der Reihe und ist gleichzeitig eine Art Neustart. Lee versucht sich wieder mehr an seinen 58er-Dracula zu orientieren, der sowohl gastfreundlich und charmant sein kann, aber auch sadistisch und brutal. Gerade in Sachen Brutalität wird hier einiges geliefert, und der Film zählt zu den brutalsten Filmen des Studios. Man bekommt vor allem die Ergebnisse von Gewalt zu sehen, wie eine Kirche voller grausig zugerichteter Frauenleichen oder der durch glühende Eisen geschundene Rücken von Klove. Die Figur von Klove, dem Diener, die man bereits in DRACULAS RÜCKKEHR etablierte, wird hier von Patrick Troughton (DAS OMEN, 1976) verkörpert. Sein Auftauchen ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Film unabhängig ist, denn die Figur ist bereits in BLUT FÜR DRACULA (damals dargestellt von Philip Latham) getötet worden. Ein schönes Detail ist auch der Moment, in dem Dracula seine Schlossmauer nach oben läuft. Ein Moment aus dem Roman, der sehr gelungen inszeniert wurde. Überhaupt kann sich der Film visuell sehen lassen. Draculas Schloss ist ebenfalls neu und sieht schön finster aus, besonders nachdem ein Mob von Dorfbewohnern, die dem Grafen den Garaus machen wollen, das Schloss in Brand setzen.
So hanebüchen wie die Story des Vorgängers ist die von DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS nicht. Dracula reagiert hier weitaus nachvollziehbarer. Eher mangelt es an charismatischen Nebenfiguren. Die jungen Leute, die das übliche Liebesgeplänkel mitbringen, werden von Dennis Waterman, Jenny Hanley und Christopher Matthews verkörpert, die die düstere Inszenierung zwar etwas beleben, aber ihr gleichzeitig auch etwas schaden. Cushing fehlt. Aber immerhin können Patrick Troughton, Michael Gwynn und Michael Ripper etwas Charme mit reinbringen. Zum guten Ton der Reihe gehört James Bernard, der auch hier wieder für den Score verantwortlich war.
DRACULA – NÄCHTE DES ENTSETZENS wirkt manchmal etwas sprunghaft, ist insgesamt spannungsarm, aber liefert blutige Momente, eine dichte Atmosphäre, schöne Kulissen und Lee als Dracula, der hier wieder mehr Form hat.
(Bjoern Candidus)
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