DER FLUSS DER MÖRDERKROKODILE
(IL FIUME DEL GRANDE CAIMANO, Italien, 1979, Regie: Sergio Martino)
Eigentlich sollte der Pressefotograf Daniel mit seiner Begleitung, dem Fotomodel Sheena, nur Fotos für den Hotelmanager Mr. Joshua machen. Doch kurz vor der Eröffnung des Luxushotels mitten im Dschungel verschwindet Sheena spurlos. Gemeinsam mit der Hotelangestellten, Alice, begibt sich Daniel auf die Suche nach Sheena, die sie in die Welt der Kumas führt, die in den Wäldern beheimatet sind und durch den Tourismus ihr Land gefährdet sehen. Doch ein riesiger Kaimane, den die Kumas für den Zorn ihres Gottes halten, freut sich über das Frischfleisch.
Nach DIE WEISSE GÖTTIN DER KANNIBALEN (1978) und INSEL DER NEUEN MONSTER (1979) legt Sergio Martino (TORSO, 1973) mit DER FLUSS DER MÖRDERKROKODILE den dritten Teil seiner Abenteuer-Trilogie vor. Nach Kannibalen im Dschungel und Fischmenschen auf einer Insel, geht es hier um ein Riesenkrokodil (genauer: um einen Kaimane). Das einzige Verbindungsstück ist Claudio Cassinelli, der in allen drei Filmen dabei ist.
Das Schöne im Gesamtwerk von Sergio Martino ist, dass seine Filme fast durchweg gut aussehen. Die Fotografie passt, die Schauplätze stimmen und die Wahl der Darsteller ist meisten gelungen. Auch DER FLUSS DER MÖRDERKROKODILE sieht wirklich wunderschön aus. Man bekommt im Grunde die ganze Zeit die Naturkulisse von Sri Lanka geliefert, die im Einklang mit Stelvio Ciprianis Score fast wie ein Urlaubsvideo daherkommt. Das passt natürlich, da Claudio Cassinelli als Fotoreporter Daniel Werbefotos von der Hotelanlage samt sexy Ladies machen soll, um Urlauber anzulocken. Leider dehnt Martino diese Szenen ziemlich aus und kümmert sich auch im weiteren Verlauf mehr um das Treiben in der Hotelanlage als um seinen Kaimane. Das ist langweilig, sieht aber immer nett aus. Zumindest bekommt man zwischendurch einige Einblicke in das Leben der anfänglich noch friedlichen Kumas, die im letzten Drittel die Schnauze voll haben von den Touristen und den Zerstörern ihres Lebensraums, die die Rache ihres Gottes heraufbeschworen haben. Bei der Rache hätte Martino punkten können, aber sein Kaimane ist leider eher ein Häufchen Elend als ein gepanzertes Riesenreptil. Es gibt ein paar gute Momente, wenn die Schnauze aus dem Wasser fährt und Menschen angreift, aber wenn man es unter Wasser im Ganzen sieht, ist es so bewegungsfähig wie ein Brett.
Neben Bäumen, Flüssen und Tieren sind es dann die guten Bekannten, die hier für Stimmung sorgen. Barbara Bach, Claudio Cassinelli und Richard Johnson sind wie in INSEL DER NEUEN MONSTER (1979) am Start. Johnson ist nur kurz im Bild, aber die Figuren von Bach und Cassinelli bekommen hier eindeutig mehr Leben eingehaucht. Und der gute alte Mel Ferrer darf als skrupelloser Manager des Luxushotels auffahren.
Trotz viel langweiligem Geschwätz bleibt die Atmosphäre, am Tag wie in der Nacht, immer dicht und die Fotografie von Giancarlo Ferrando ordentlich, doch es mangelt Martinos Inszenierung an Spannung, Action und Tierhorror-Momenten. Und so sei DER FLUSS DER MÖRDERKROKODILE lediglich Fans von Martino- und italienischen Abenteuerfilmen empfohlen.
(Bjoern Candidus)
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