CASTIGATA, DIE GEZÜCHTIGTE
(FLAVIA, LA MONACA MUSULMANA, Frankreich, Italien, 1974, Regie: Gianfranco Mingozzi)
Italien, 1480. Während einer Schlacht zwischen Italienern und osmanischen Invasoren enthauptet Flavias Vater, der Inquisitor Don Diego, einen jungen Muslimen. Flavia beobachtet die schreckliche Tat ihres Vaters, die sie ihm nie verzeihen wird. Kurze Zeit später bringt sie ihr Vater in ein Kloster, in dem sie zur Nonne erzogen werden soll. Doch Flavia will sich nicht unterdrücken lassen, weder von Frauen noch von Männern und beginnt ihren Kampf gegen ein System, gegen das man nur verlieren kann.
Gianfranco Mingozzis Nonnen-Drama geht inhaltlich auf den Angriff auf die Stadt Otranto in Italien durch osmanische Truppen im Jahre 1480 zurück, dem 800 christliche Märtyrer zum Opfer fielen. Dieses Ereignis kombiniert er mit Flavias Leidensweg , die sich von den Fesseln der Norm lösen möchte.
In der Reihe der Nunsploitation-Filme sticht CASTIGATA, DIE GEZÜCHTIGTE ganz klar heraus. Die Fotografie von Alfio Contini ist sehr ansprechend. Die Kostüme und die Schauplätze sind authentisch. Es geht in weitläufige Klostergemäuer oder man darf sich an der umliegenden Natur laben. Alles sieht hochwertig aus und wird von dem schönen Score von Nico Piovani veredelt.
Aber neben Schönheit, steht vor allem Grausamkeit auf dem Plan von
Mingozzis Inszenierung, und in dem Punkt holt er zu ein paar richtig derben Schlägen aus. Vergewaltigung und Folter ist hier angesagt, und wenn eine Frau mit kochendem Öl verbrannt und ihr anschließend eine Brustwarze abgeschnitten wird, darf man zu recht schlucken. Es kommt zu Pfählungen, Kreuzigungen, dem obligatorischen Auspeitschen und zu einer Kastration eines Hengstes. Zudem gibt es ein paar surreale Momente, die noch einen Hauch Mystik mitbringen. Das und noch viel mehr erwartet einen in CASTIGATA, DIE GEZÜCHTIGTE.
Doch Mingozzis Film hebt sich nicht nur durch die stark inszenierten Grausamkeiten ab, sondern überzeugt durch eine packende Story und tollen Darstellern, allen voran Florinda Bolkan als Flavia. Vom strengen Vater ins Kloster geschickt, von wahnsinnigen Nonnen gefoltert, wechselt sie zum Islam, der sie wie das Christentum nur unterdrücken will. Bolkan geht immer auf in ihren Rollen, und hier passt sie geradezu perfekt, wenn sie von der unterdrückten Frau immer mehr zu einer Jeanne d’Arc wird. Der einzig ihr wirklich gut gesonnene ist Abraham, der von Claudio Cassinelli verkörpert wird.
CASTIGATA, DIE GEZÜCHTIGTE ist ein starkes Nonnen-Drama, was sich in allen Bereichen gegen die meisten ähnlich gelagerten Filme durchsetzen kann und gut und gerne neben Ken Russells DIE TEUFEL (1971) parken darf.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar