Zum Inhalt springen
  • Episoden
  • Rezensionen
  • Über uns
  • Wo Ihr uns findet
  • Kontakt

Devil Hunter, 1980 – ★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

JUNGFRAU UNTER KANNIBALEN
(EL CANIBAL, spanien, Frankreich, Deutschland, 1980, Regie: Jess Franco) 

Laura Crawford, eine aufstrebende Schauspielerin, wird von ihrer Managerin und drei Typen entführt und in den Dschungel verschleppt. Aus ihrem Geheimversteck fordern sie ein Lösegeld vom Studioboss, der daraufhin den Vietnam-Veteran Peter Weston engagiert. Dieser bricht mit seinem Freund Jack auf, um Laura zu befreien. Doch auf der tropischen Insel stellen nicht nur die Entführer eine Gefahr dar, sondern auch ein Stamm Indigener, die eine menschenfleischfressende Gottheit anbeten. 

Jess Franco hat nie geschlafen. Das ist natürlich Quatsch. Doch schaut man sich seine Filmographie an, könnte man diesen Eindruck gewinnen. Mitten auf der Kannibalenfilm-Welle, die 1980 mit Ruggero Deodatos CANNIBAL HOLOCAUST ihren Höhepunkt erfahren hat, legte Franco nach und bog mit JUNGFRAU UNTER KANNIBALEN um die Ecke. 

Was man sehr schnell an der Flora erkennt, ist, dass man hier nicht auf einer tropischen Insel unterwegs ist, sondern in Spanien und Portugal. Das macht aber gar nichts, da die Kannibalen auch nicht authentischer aussehen als der Schauplatz. Die Besetzung für die Kannibalen ist äußerst abwechslungsreich, denn die scheinen aus sämtlichen Ländern der Welt zu stammen. In erster Linie ist es aber auch ihr Gott, der an Menschenfleisch interessiert ist. Der Kannibalengott präsentiert sich als zwei Meter großen Mann ohne Kleidung, aber dafür mit zwei Pingpongballhälften als Augen. Der guckt entsprechend schlecht gelaunt und taucht in erster Linie vor einem Baum auf, an dem Frauen geopfert werden. Franco hält sich nicht zurück mit Gore und lässt das Blut für seine Verhältnisse ganz schön spritzen. Aber die Kannibalengott-Momente pendeln zwischen unfreiwillig komisch und verstörend hin und her und hinterlassen, wie der Rest der Inszenierung, den Eindruck, Franco hätte wirklich schon lange nicht mehr geschlafen. JUNGFRAU UNTER KANNIBALEN ist ein derart wild durcheinander gewirbelter Brei, dass man nur staunen kann. Der teils experimentelle Score von Daniel J. White (und Franco) unterstreicht das fiebertraumartige Gefühl, was die Inszenierung mitbringt. In dieser sonderbaren Parallelwelt taucht auch Al Cliver als Peter Weston auf, der sich im Finale auf äußerst lustige Art mit dem Kannibalengott auseinandersetzen darf. Als Antagonist ist mal wieder Werner Pochath als einer der Entführer am Start. Wer auf Lina Romay, Howard Vernon oder anderen vertrauten Franco-Gesichtern hofft, muss enttäuscht werden. Wer nicht enttäuscht wird, sind Freunde von nackter Haut, aber die ist auch nichts Neues im Kino von Jess Franco. 

Der Mix aus Abenteuer-, Gangster- und Kannibalenfilm ist gut gemeint, doch die Umsetzung läuft so neben der Spur, dass sich die meisten Zuschauer vermutlich schnell abwenden und sich mit ihrem Denken gegenüber Jess Franco bestätigt fühlen. Ich persönlich hatte durchaus Spaß mit JUNGFRAU UNTER KANNIBALEN, denn in der Reihe seiner Kannibalen-Mitstreiter hat er einen eigenen Charakter, auch wenn der nur bis drei zählen kann. Das Hauptproblem ist für mich die Spielzeit von 102 Minuten, von denen man gut und gerne eine Viertelstunde hätte entfernen können. 

(Bjoern Candidus)

←Flavia the Heretic, 1974 – ★★★★½
Massacre in Dinosaur Valley, 1985 – ★★★→

Kommentare

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Beiträge

  • River’s Edge, 1986 – ★★★★

    7. September 2026
  • White Star, 1983 – ★★★★½

    5. September 2026
  • Fortsetzungen

    3. September 2026
  • The Angry Red Planet, 1959 – ★★★

    3. September 2026

Impressum · Datenschutzerklärung · © 2026 Antenne Traumstadt