DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN*
(NO PROFANAR EL SUEÑO DE LOS MUERTOS, Italien, Spanien, 1974, Regie: Jorge Grau)
George, ein Kunsthändler aus London, möchte ein wenig Urlaub vom chaotischen Stadtleben machen und fährt mit seinem Motorrad aufs Land. An einer Tankstelle beschädigt, Ethna, eine junge Frau, sein Motorrad, die ihn daraufhin ein Stück mit ihrem Auto mitnimmt. Zur gleichen Zeit setzt das Landwirtschaftsministeriums eine neuartige Maschine zur Bekämpfung von Insekten ein, was zur Folge hat, dass sich die Toten aus den Gräbern erheben. Schließlich dauert es nicht lange, bis George und Erhna in einen ersten Konflikt mit einem Zombie geraten.
Jorge Graus DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN ist eine äußerst atmosphärische und recht blutige Antwort auf DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968), die mit einer Öko-Thematik kombiniert wurde und so perfekt in das 70er-Jahre-Dystopie-Kino passt. Themen wie Umweltverschmutzung werden bereits in der Eröffnungssequenz ersichtlich, wenn man Leute in der Stadt sieht, die sich hinter einem Mundschutz verbergen, und die Umwelt bleibt ein Thema. Während der Ursprung für die Zombie-Plage in DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN im Unklaren bleibt, liefert Grau die Erklärung: Ultraschallwellen, die als Insektenbekämpfung in der Landwirtschaft dienen sollen. Nur leider haben diese Ultraschallwellen auch den Effekt, die Toten auferstehen zu lassen.
Während das erste Aufeinandertreffen zwischen George, Ethna und dem untoten Landstreicher Guthrie stark an Barbaras und Johnnys Begegnung mit dem Friedhof-Zombie aus DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN erinnert, löst sich Grau zunehmend von seinem Vorbild oder variiertes es zumindest sehr gut. Mit George Kennedy als Inspector hat man einen widerlichen Antagonist (neben den Zombies), den man als Antwort auf Cooper verstehen kann. George wird von Ray Lovelock gespielt, der hier sein schönes Gesicht hinter einem Bart versteckt. Das macht aber nicht viel, denn als wortgewandter Hippie-Kunsthändler macht er einen ordentlichen Eindruck und ist das perfekte Gegenstück zu Kennedy. Doch zwischen den menschlichen Konflikten kommt es natürlich auch zu Konflikten mit den Zombies, und die sind ziemlich saftig ausgefallen. In Sachen Gore legt Grau hier ganz schön vor, bedenkt man, dass DAWN OF THE DEAD (1978) und WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1979) erst noch kommen sollten. Körper werden zerhackt, Körper werden aufgerissen, Organe werden gefressen… Zudem ist das Zombie-Maku-up gelungen und sorgt für ein paar richtig unangenehme Momente. Sehr hörenswert ist auch der Score von Giuliano Sorgini und die verstörenden Atemgeräusche, die von Regisseur Grau selbst stammen.
Grau ist es ganz vorzüglich gelungen, eine einfache, hanebüchene Idee mit guten Figuren, einer sehr unheimlichen und morbiden Atmosphäre und derben Gewaltspitzen anzureichern. DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN gehört zu den stärksten und qualitativsten Zombiefilmen, die das europäische Kino hervorgebracht hat.
(Bjoern Candidus)
*Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“
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