DER TIGER MIT DER TODESKRALLE
(XUE YU, Taiwan, 1977, Regie: Wu Ma)
Der Black Dragon terrorisiert mit seinem Clan das Land. Wie aus dem nichts erscheint Tiger, ein Fremder, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Black Dragon zu vernichten, da er Rache nehmen möchte für die Ermordung seines Vaters. Auf seinem Rachefeldzug lernt er schließlich einen Jungen und einen Einzelkämpfer kennen, der offensichtlich das gleiche Ziel verfolgt.
Hongkong-Kino-Legende Wu Ma schickt Wong Tao als Tiger (bzw. Cloud) auf einen Rachefeldzug, der vor allem eins ist: extrem kurzweilig.
Es ist schon etwas anmaßend, DER TIGER MIT DER TODESKRALLE mit der Kopie einer der berühmtesten Szenen aus SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD (1968) zu starten. Auch hier steht ein Vater mit einem Strick um den Hals auf den Schultern seines Sohnes, der seinen Vater unweigerlich in den Tod fallen lässt, als ihn die Kräfte verlassen. Doch Leones Meisterstück ist schnell vergessen, wenn man den jetzt erwachsenen Sohn sieht, der seine Rachetour startet. Als wortkarger Tiger kämpft sich Wong Tao durch einen Trupp Kämpfer des Black Dragon Clan und sendet früh die Signale, die bis zum Ende immer lauter werden. Die hervorragend choreografierten Kung Fu-Kämpfe sind ebenso versiert fotografiert und geschnitten. Levelartig geht es hier von Szene zu Szene, die neue Auseinandersetzungen bereithalten. Da ist z.B. Philip Ko, der als Handlanger des Black Dragon blitzartig Kehlköpfe mit der Hand zerquetschen kann oder ein Trupp von Frauen, die erst eine Tanzeinlage hinlegen, bevor sie ihre Fächer zu tödlichen Waffen umfunktionieren. Am Ende wartet dann in seiner Festung auf dem Berg Ming Chin aka Tommy Lee als buckliger Black Dragon.
DER TIGER MIT DER TODESKRALLE ist nicht nur ein Feuerwerk aus fernöstlicher Kampfkunst, sondern auch ein visuell sehr schöner Film, der einem viel Natur zeigt. Felder, Bäume, Blumen und Berge dominieren die Hintergründe, wenn man nicht gerade in Tempeln kämpft oder Einblicke in ein Spielkasino erhält. Der schöne Score von Fu-Liang Chou hat mich das ein oder andere Mal an den Italowestern erinnert, womit sich auch der Kreis zum Anfang schließt.
Wenn man über die flache Rache-Story von DER TIGER MIT DER TODESKRALLE hinwegsieht, was für mich ein Leichtes war, bekommt man einen sehr schön inszenierten Martial-Arts-Actionfilm geliefert, der von Anfang bis Ende wie aus einem Guss erscheint.
(Bjoern Candidus)
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