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The Alcove, 1985 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

SKLAVIN FÜR EINEN SOMMER
(L’ALCOVA, Italien, 1984, Regie: Joe D‘Amato)

Die Filmografie von Joe D‘Amato abzuarbeiten ist ein ähnlich umfangreiches Unterfangen wie die von Jess Franco, und ich bin seit einigen Jahrzehnten dabei. Nach und nach werden D‘Amatos Filme neu entdeckt, aufarbeitet und wieder veröffentlicht, damit sie auch in meinem Player landen können, wie zuletzt die SKLAVIN FÜR EINEN SOMMER.

Rein visuell hat D‘Amato bei diesem Erotik-Drama ein ordentliches Händchen bewiesen und auch mal wieder selbst hinter der Kamera Platz genommen, was der Filmirage-Produktion jederzeit zugute kommt. Das prächtige Herrenhaus hat eine edle Ausstattung, die gleichzeitig etwas Sperriges mitbringt. Das Ganze hat etwas von einem luxuriösen Gefängnis, was zum faschistischen Italien Mitte der 1930er-Jahre hervorragend passt. Aber auch der weitläufige Garten entfacht eine wunderschöne Atmosphäre, in der Laura Gemser bestens aufgehoben ist. Jeder ist hier gut aufgehoben, und man darf sich vor allem über Al Cliver wundern, den ich noch nie in einer besseren Rolle gesehen habe. Als Elio De Silvestris ist er hier ein Schriftsteller, der aus dem Abessinienkrieg zurückkommt, wo er als Kommandant gedient hat. Mit Seitenscheitel und Brillle an einer Schreibmaschine sitzend sieht er unglaublich seriös aus. Doch von Seriosität ist hier kaum die Rede, denn voller Stolz präsentiert er sein Mitbringsel aus Nordafrika: Zerbal, eine Schönheit, die er geschenkt bekommen hat, da Elio dem Oberhaupt eines Stammes das Leben gerettet hat. Nach Elios Rückkehr aus dem Krieg präsentiert er seiner Ehefrau Alessandra und seiner Sekretärin Wirma, die ebenfalls in der Villa wohnt, Zerbal. Die muss sich erst mal einige rassistische Sprüche gefallen lassen, bis sie nach und nach das Interesse von Alessandra weckt. Elios Ehefrau ist nämlich bisexuell und führt hinter seinem Rücken eine Beziehung mit seiner lesbischen Sekretärin Wirma. Zerbal passt sich schnell an ihre neue Umgebung an, aber bittet darum, zukünftig nur noch einer Person dienen zu müssen. Elio kommt das gelegen, da der sich ohnehin auf seinen neues Buch konzentrieren muss. Er bestimmt, dass Zerbal fortan Alessandra dienen muss. Besiegelt wird der Pakt mit einem Ritual, bei dem Zerbal Alessandra sämtliche Körperstellen ablecken muss. Klar, dass man da an die BLACK EMANUELLE-Filme denken muss, und lustig wird es, wenn Elio seiner Frau versichert, dass Zerbal keine Kannibalin sei. Es kommt, wie es kommen muss: Alessandra verliebt sich in Zerbal, die mit ihrer geheimnisvollen Aura bald die ganze Ordnung auf den Kopf stellt. Wirma wird eifersüchtig, während Elio anfangs von all dem nichts mitbekommt. Als plötzlich Elios Sohn Furio auf der Matte steht, gesteht der seine Liebe für Wirma. Das Chaos ist perfekt, und es wäre kein Film von Joe D‘Amato, wenn sich die ganze Sache nicht noch unangenehm zuspitzen würde. Aber der Weg zum dem garstigen Finale besteht erst mal aus sämtlichen Erotik- und Softsex-Einlagen, bei denen es vor allem lingual zur Sache geht. Die Sex-Szenen werden dann auch immer von irgendwem beobachtet, was bei D‘Amato auch nichts Neues ist. Sehr schwülstiger Natur sind die Klänge von Vittorio De Sicas Sohn Manuel De Sica, die aber letztlich gut zum Geschehen passen. 

SKLAVIN FÜR EINEN SOMMER gehört zu einem der gelungensten Filme D‘Amatos, in dem seine visuelle Kraft mit einer packenden Story über Liebe, Unterwerfung und Eifersucht einhergehen. Die ein oder andere Länge schleicht sich ein, aber der Ausgleich kommt hier immer durch die schöne Fotografie. 

(Bjoern Candidus)

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