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The Masque of the Red Death, 1989 – ★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

RIPTIDE
(THE MASQUE OF THE RED DEATH, USA, 1989, Regie: Alan Birkinshaw)

In den letzten 100 Jahren hat es viele Filmadaptionen der Werke von Edgar Allan Poe gegeben, die nicht selten auch ihre Zeit repräsentierten, in denen sie entstanden sind. Mit RIPTIDE hat Regisseur Alan Birkinshaw (THE HOUSE OF USHER, 1989) Poes Geschichte „Die Maske des roten Todes“ (1842) aufgegriffen und in die 1980er-Jahre verlegt. Mit der Vorlage hat der Film leider nicht mehr viel zu tun. 

In der Eröffnungs-Szene, wenn Rebecca mit ihrem Cabrio durch Bayern fährt und man im Hintergrund hoch auf den Bergen Neuschwanstein sieht, glaubte ich mich in einer italienischen Produktion der Marke D‘Amato zu befinden. Schnell wird man eines Besseren belehrt, denn wenn man sich im Inneren des Schlosses befindet, glaubt man sich in einer 80er-Jahre-Version des 60er-Jahre-Poe-Corman-Zyklus zu befinden. Wie in SATANAS – SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTIEN (1964) ist auch hier die Farbgestaltung der (Studio-)Räume auffällig bunt, womit man auf Poes Geschichte zurückgreift, in der sich Prinz Prospero mit seinen Gästen auf seinem Schloss vor der Pest versteckt. Und wie in Poes Geschichte kommt auch hier ein ungeladener Gast zur Feier, allerdings nicht in Form des Roten Todes, sondern als Rebecca, einer Reporterin, die Fotos von den Prominenten rund um Ludwig machen möchte. Aber auch eine in rot gekleidete Gestalt mit einer Maske schleicht bereits durch die Gänge mit der Absicht, die Gäste zu dezimieren. Doch sieht man von einer kurzen Tötung mittels Messer in der 15. Minute ab, braucht man viel Sitzfleisch, bis es endlich mal zur Sache geht. Der langsame Aufbau ist gar nicht das Problematische, sondern die ätzenden Figuren, denen man, abgesehen von Rebecca, allen den Roten Tod wünscht. Rebecca wird von Michelle McBride verkörpert, die einen ordentlichen Eindruck hinterlassen hat, im Gegensatz zu Slys Bruder Frank Stallone, der wie ein hohler Klotz daherkommt. Mit Herbert Lom ist sogar ein Großer an Bord, der als Ludwig mal wieder wie ein Eisblock wirkt. Die restliche Besetzung ist teilweise richtig fürchterlich geraten, und man darf froh sein, dass zumindest ein kleiner Ausgleich durch die Gore-Szenen reinkommt. Eine Webmaschine wird zum Folterinstrument, und man hat auch an ein Pendel aus Poes Geschichte „Die Grube und das Pendel“ gedacht. Eine Folter der ganz anderen Art wartet auf den Zuschauer, wenn eine Band eine fürchterliche Musikperformance vor den Gästen abliefert, die mir die nächsten Minuten versauert hat. Die Musik ist mir aber auch noch in anderen Bereichen aufgestoßen, denn der Score von Kobi Recht ist monoton und nervig. 

Trotz der üppigen Ausstattung und der schönen Farbgestaltung ist RIPTIDE viel zu hell ausgeleuchtet, um für eine gruselige Atmosphäre zu sorgen, da nutzen auch nicht die Zwischenschnitte auf ein Neuschwanstein in der Nacht. Und wenn dann endlich mal die Katze aus dem Sack gelassen wird und Bewegung ins Geschehen kommt, verkommt RIPTIDE zu einem spannungsarmen Whodunit-Slasher, der nach der Entlarvung des Killers ins Bodenlose fällt. Wer der Killer hinter der roten Maske ist, wird hier nicht von mir verraten, aber es hätte auch im Film ein Geheimnis bleiben sollen.

RIPTIDE ist ein lauwarmer Beitrag im Namen Poes, der nichts weiter ist als ein stylischer Slasher mit ausladenden Figuren. 

(Bjoern Candidus)

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