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Pin, 1988 – ★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

PIN
(DEADLY FRIEND, Kanada, 1988, Regie: Sandor Stern)

Leon und Ursula wachsen in einem gut situierten, aber strengen und von Sauberkeit und Reinheit glänzenden Elternhaus auf. Ihre Mutter kümmert sich um den Haushalt, ihr Vater ist Arzt an einer Universitätsklinik. Und dann ist da noch PIN, eine medizinische Puppe, die durch die Bauchrednerei des Vaters mit den Kindern kommuniziert und bei Fragen und Problemen zuhört und antwortet. Die beiden Kinder sind fasziniert von PIN, aber isolieren sich immer mehr von Gleichaltrigen. Als die Kinder älter werden, verliert Ursula langsam das Interesse an PIN, während sich Leon weiter auf ihn einlässt und die Rolle des Außenseiters annimmt. Kritisch beobachtet seinen Vater diese Entwicklung und will PIN verbannen. Ein folgenschwerer Fehler… 

Sandor Stern, der ein Jahr später mit AMITYVILLE HORROR 4 (1989) ein weniger glückliches Händchen bewiesen hat, tischt hier einen recht interessanten Psycho-Horror-Thriller auf, der ein nicht gerade unbekanntes Motiv im Genre aufgreift: eine Puppe. Doch PIN ist keine Kinderpuppe mit einer bösen Seele, sondern eine menschengroße Anatomiepuppe, die vor allem das Muskelgewebe zeigt. Sprechen tut PIN durch den Vater, dargestellt von Terry O’Quinn. Terry O’Quinn ist nicht nur der perfekte Stiefvater, wie er in STEPFATHER (1987) bewiesen hat, sondern auch ein super Arzt mit einer Aura zum davonlaufen. Leider ist O’Quinns Auftritt nur von kurzer Dauer, was schade, aber der Geschichte letztlich dienlich ist. In die Rolle seines Sohnes schlüpft David Hewlett (SCANNERS 2, 1991), in die der Tochter Cynthia Preston (DAS GEHIRN, 1988). Im darstellerischen Bereich bewegt man sich auf solidem Niveau, und das kommt der Produktion zu gute. 

Der Film nimmt sich ernst, greift Themen wie Abtreibung und gespaltene Persönlichkeit auf und verweigert sich Humor. Es ist nicht so, dass sich der Film tief auf seine Themen einlässt; wenn es um Bauchredner und Wahnsinn gehen soll, sei MAGIC (1978) mit Anthony Hopkins empfohlen, dennoch versucht Stern ein paar nette Wege zu gehen, die selten wirkungslos bleiben. Besonders PIN und die Art wie er spricht (die deutsche Synchronisation ist in dem Punkt sehr gut) ist verstörend. Der Großteil des Films spielt auch im Haus der Lindens, was ihn kammerspielartig macht und eine zusätzliche Beklemmung heraufbeschwört. 

PIN ist ein spannender Psycho-Horror-Thriller und ein weiteres gutes Beispiel für das kanadische Horrorkino. 

(Bjoern Candidus)

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