DIE GRAUSAMEN
(I CRUDELI, Italien, Spanien, 1967, Regie: Sergio Corbucci)
Jonas, ein wahnsinniger Südstaatenoffizier, will gestohlenes Geld aus einer Kriegskasse, was er in einem Sarg versteckt hat, mittels Kutsche über die Grenze bringen. Dieses Geld soll ihm dazu dienen, einen neue Armee aufzubauen. Begleitet wird er von seinen drei Söhnen und einer gespielten Witwe, deren ermordeter Mann angeblich in dem Sarg liegen soll. Durch Kontrollen von Soldaten, die mittlerweile die Mörder ihrer Kameraden suchen, wird die Reise immer wieder unterbrochen, was die Spannungen zwischen den Figuren verstärkt.
Mit DIE GRAUSAMEN präsentiert Sergio Corbucci einen weiteren Hammerschlag aus seiner Italowestern-Schmiede. Mit an Bord als Regie-Assistent: Regie-Legende Ruggero Deodato. Die Story stammt von Albert Band und Ugo Liberatore (NERO VENIZIANO, 1978), der auch das Drehbuch schrieb. Da geht nichts schief, sollte man meinen. Richtig, denn hier haben wir es nicht nur mit einem brutalen und actionreichen, sondern auch mit einem äußerst spannenden und glänzend besetzten Film zu tun. Ich weiß gar nicht, wo ich ansetzen soll, denn hier jagt eine Stärke die nächste. Auch wenn die Story recht einfach ist und ein wenig an Peckinpahs GEFÄHRTEN DES TODES (1961) erinnert, ist die Dramaturgie, die gezielten Spannungsspitzen und das Können der Darsteller mehr als ausgleichend; vor allem der diabolische Joseph Cotton, der stets die Aura des Bösen mit sich bringt, hebt den Film besonders ab. Neben ihm reihen sich Norma Bengell (sehr schöne Dame) und der charismatische Aldo Sambrell (FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR, 1964) ein. In weiteren Rollen als die drei verhassten Brüder: Julián Mateos, Gino Pernice und Ángel Aranda.
Aber auch visuell ist der Film absolut auf der Höhe seiner Zeit und ein weiterer Qualitätssprung von Corbucci. Für die Fotografie zeichnete sich Enzo Barboni verantwortlich, dem wir auch den zauberhaften Spencer-Hill-Klassiker DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS (1970) zu verdanken haben. Und als wäre all das nicht genug, serviert Maestro Ennio Morricone den Score, der zwar arm an Abwechslung ist, aber dadurch nicht weniger epochal klingt.
Brutal, kompromisslos, actiongeladen, packend, twistreich und angereichert mit durchtriebenen Charakteren
vor schönen Naturkulissen gehört DIE GRAUSAMEN in die Oberliga der Italowestern. Hier stimmt einfach alles.
(Bjoern Candidus)
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