DIE NACHT DER OFFENEN SÄRGE
(DRÁCULA CONTRA FRANKENSTEIN, Frankreich, Liechtenstein, Portugal, Spanien,
1972, Regie: Jess Franco)
Dr. Exortio strebt die Weltherrschaft an und wiedererweckt den grausamen Vampir Graf Dracula, bzw. Satanas. Gemeinsam mit ihm will er eine Armee von Monstern schaffen, um die Menschheit zu unterjochen. Aber er hat den gewieften Dr. Emanuel Seward vergessen, der Erfahrung im Umgang mit Vampiren hat.
Die Idee, berühmte Monster unter einen Hut zu bringen, ist 1972 wahrlich nicht neu gewesen. Bereits in den Universal-Filmen wie FRANKENSTEIN TRIFFT DEN WOLFSMENSCH (1943) oder DRACULAS HAUS (1945) trafen die beliebten Monster aufeinander. Francos Film erinnert mehr an DRACULA JAGT FRANKENSTEIN (1970), wobei der eher amüsant statt unheimlich ist. Franco baut hingegen eine sehr dichte Atmosphäre auf. Ein finsteres in Nebel gehülltes Schloss auf einem Berg, eine Fahrt mit einer Kutsche, heulender Wind und quietschende Türen erzeugen ein wohliges Gefühl von klassischem Horror, natürlich mit mediterraner Note. Kleine Mängel in der Inszenierung werden durch die solide Kameraarbeit von José Climent ausgeglichen, der ein paar richtig schöne finstere Bilder liefert. Passend dazu: der Score von Bruno Nicolai (und Daniel White), der teilweise aus Francos schöner Stoker-Adaption NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT (1970) entnommen wurde. So gewinnt man fast den Eindruck, als würden beide Filme im gleichen Universum spielen. Aber Francos Filme spielen ja auch alle im gleichen Universum – im Francoversum. Beseelt ist dieses mit den üblichen Verdächtigen wie Howard Vernon (Drácula), Dennis Price (Dr. Frankenstein), Alberto Dalbés (Dr. Emanuel Seward) und Luis Barboo (Morpho). Da Soledad Miranda vorher bei einem Autounfall ums Leben kam und Lina Romay noch nicht zugegen war, fehlen natürlich gleich zwei herausstechende weibliche Ikonen, aber dafür gibt es ja genug Monster zu begutachten.
DIE NACHT DER OFFENEN SÄRGE
ist atmosphärisch, gruselig, reich an Horror-Figuren, aber auch dialogarm, was manchmal etwas ermüdend sein kann.
(Bjoern Candidus)
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