EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN
(UN DOLLARO TRA I DENTI, Italien, 1967, Regie: Luigi Vanzi)
Ein Fremder lässt sich auf eine Handvoll Banditen ein, um gemeinsam eine Kiste voll Gold aus den Händen nordamerikanischer Soldaten zu klauen. Zwar gelingt der Überfall, doch der Ärger setzt ein, als es um das Aufteilen der Beute geht. Da hier niemandem Großzügigkeit in die Wiege gelegt wurde, fliegen schnell die Kugeln durch die Luft.
EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN startet stimmungsvoll in einer scheinbar verlassenen Stadt in der der Staub herrscht. Von weitem nähert sich ein Fremder auf einem Pferd. Und damit nähert sich auch schon das Hauptproblem. Regisseur Luigi Vanzi schickt keinen Eastwood, keinen Nero, keinen Hill, keinen Garko…, sondern Tony Anthony, dem es, meiner Meinung nach, an Charsima und Ausstrahlung fehlt. Sein Charakter regt zwar auch nicht dazu an, ihn zu mögen, aber seine ähnlich gelagerten Schauspieler-Kollegen brachten selbst im tiefsten Zynismus noch mehr Liebreiz mit. Natürlich ist das rein subjektiv, und der nächste möchte vielleicht sogar Tony Anthony umarmen. Mir hat Vanzi mit dieser Besetzung jedenfalls keinen Gefallen getan. Der Rest der Bande, zum Beispiel Raf Baldassarre, Frank Wolff oder Aldo Berti bewegen sich in soliden Bahnen. Bäume reißt hier im Grunde niemand aus. Aber genug der Nörgelei, denn dieser Italowestern hat durchaus andere Vorzüge. Vanzi gelingt eine gespenstische Atmosphäre zu erzeugen, sorgt für abwechslungsreiche Sets, führt einen von der obligatorischen Westernstadt in sandige und felsige Abschnitte und hält das Geschehen immer in Bewegung. Auch Kameramann Marcello Masciocchi (MONDO CANNIBALE 2, 1977) war nicht die schlechteste Wahl. An Spannung und Action mangelt es nicht. Wer auf Schießereien, auch mittels frühem Maschinengewehr, steht, darf hier fleißig die Kugeln in den Leichen zählen. Dazu gesellt sich die Musik von Benedetto Ghiglia, die mit dem Heulen des Windes und den staubigen Bildern in den besten Momenten eine regelrechte Gruselstimmung erzeugt. Die Stimmung des Todes ist allgegenwärtig.
Im Grunde liefert EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN die meisten Zutaten, die man vom Genre erwartet und dennoch hat mich der Film etwas kalt gelassen, und das erkläre ich mir einzig und allein durch die Anwesenheit von Tony Anthony.
(Bjoern Candidus)
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