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Naked Violence, 1969 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

NOTE 7 – JUNGEN DER GEWALT
(I RAGAZZI DEL MASSACRO, Italien, 1969, Regie: Fernando Di Leo)

Nachdem eine ganze Klasse voller besoffener Abendschüler ihre Lehrerin im Klassenzimmer vergewaltigt und getötet hat, steht die Polizei vor einem großen Problem, denn sie kann den Mörder nicht zuordnen, da jeder der Schüler die Schuld auf den anderen schiebt. Nacheinander werden sie verhört, doch damit kommen sie nicht weiter. Einer der Herrschaften fällt allerdings schon mal heraus: ein Homosexueller, der von seinen Mitschülern unter Druck gesetzt wird. Doch der verlässt alsbald freiwillig sein Leben. Kommissar Lamberti (Pier Paolo Capponi) klemmt sich mit aller Macht an den Fall und bekommt unterstützende Hilfe von der Sozialarbeiterin Livia (Nieves Navarro). Die wenigsten dieser Jugendlichen sind zugänglich, die meisten schwer gezeichnet durch ihr verkommenes Elternhaus (wenn es überhaupt eins gegeben hat) oder anderen Umständen, die sie zu Soziopathen gemacht haben. Nur Carolino (Marzio Margine) weicht ab. Über ihn versuchen sie herauszufinden, was wirklich passiert ist. Die Spur führt sie zu einer mysteriösen Frau…

Dass sich das italienische Kino vor kritischen und heiklen Themen nicht fürchtet, hat es immer wieder bewiesen, wie zum Beispiel SAN BABILA OR 20 UN DELITTO INUTILE (1976) von Carlo Lizzani oder NON CONTATE SU DI NOI (1978) von Sergio Nuti, aber für 1969 schlägt dieser Film schon wirklich harte Themen auf, die uns bis heute nicht verlassen haben und es wohl auch nie tun werden. Basierend auf einen Roman von Giorgio Scerbanenco hat hier Fernando Di Leo (MILANO KALIBER 9, 1972) sowohl das Drehbuch geschrieben als auch die Regie geführt.

Einen Film schon in der Titelsequenz mit einer Vergewaltigung zu eröffnen, ist hart, aber für den Verlauf der Geschichte quasi unabdingbar. Gemeinsam mit dem Kommissar und seiner liebreizenden Gehilfin taucht der Zuschauer ab in eine Themenwelt die allzu gern verdrängt wird: Kinder aus zerrütteten Familien, die schon früh den Weg der Gewalt, des Drogenkonsums oder der Prostitution folgen. Opfer, deren Schicksal man kaum ausschlachten kann und deshalb uninteressant sind, dabei sitzen sie gleich nebenan im Haus.

Im Gegensatz zu Fernando Di Leos späteren Werken spielt Action hier keine Rolle. Der ganze Film ist als Drama angelegt, was sich Krimi-Elementen bedient. Das Zentrum liegt auf dem Dialog, auf bürokratischen Narrheiten, auf kaputten Seelen und der Entschlüsselung der Ereignisse. All das wird von den Darstellern überzeugend vorgeführt.
Pier Paolo Capponi und Nieves Navarro können es sowieso, aber auch die anderen Darsteller, die teilweise wirklich aus einem problematischen Milieu stammen, wissen zu überzeugen.

NOTE 7 – JUNGEN DER GEWALT ist ein ungeschönter Blick in den Abgrund, der uns alle umgibt, egal in welcher Situation man lebt. Sehr stark!

(Bjoern Candidus)

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