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The Green Inferno, 1988 – ★★

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

Erstsichtung:

GREEN INFERNO
(NATURA CONTRO, Italien, 1988, Regie: Antonio Climati)

Eine Gruppe Abenteurer sucht im kolumbianischen Regenwald nach einem vermissten Forscher, der auf der Suche nach dem Volk der Imas spurlos verschwunden ist. Hier müssen sie sich nicht nur vor den Gefahren von Flora und Fauna in Acht nahmen, sondern vor allem vor Verbrechern, die den Regenwald von Mutter Natur ausbeuten wollen.

Was mit Lenzi startete und mit Deodato seinen Höhepunkt feierte, verabschiedet sich mit dem Mondofilm-Experten Antonio Climati: das italienische Kannibalen-Kino. Strenggenommen handelt es sich bei GREEN INFERNO gar nicht um einen Kannibalenfilm, denn Menschen werden hier nicht gefressen. Dafür bekommt man eine Einführung zur Herstellung von Schrumpfköpfen, was man in detaillierterer Form bereits in DIE VIER SCHÄDEL DES JONATHAN DRAKE (1959) bewundern durfte. Grünes Licht gibt es für Tierfreunde. Von Tiersnuff bleiben alle Parteien verschont, vor allem die Tiere. Das Einfangen, bzw. das Sedieren mittels Betäubungspfeile, die auf kleine Affen geschossen werden, ist zwar auch nicht nett, macht aber wenigstens inhaltlich Sinn, um die Missstände, die Climati hier aufzeigt, zu demonstrieren. Die Ausbeutung von Flora und Fauna und Menschen durch andere Menschen steht auf dem Plan. Statt mit Klischees überzogene Eingeborene mit Hunger auf Menschenfleisch, stehen Tierfänger, Goldgräber und Menschen-, bzw. Organhändler, die narkotisierte Kinder in Holzkisten sperren, um sie zu verschiffen, im Zentrum. Menschen werden versklavt, gefoltert, getötet. Das klingt grausamer als es ist, zumindest wird es kaum explizit dargestellt. Es gibt nur wenige blutige Momente, die sich vor allem im letzten Drittel kurz zeigen und nicht im Ansatz die Wucht von CANNIBAL HOLOCAUST (1980) oder DIE RACHE DER KANNIBALEN (1981) mitbringen. Aber das muss auch gar nicht sein. Vielmehr hätte man sich auf die Figuren konzentrieren sollen, denn in dem Punkt trifft man auf Trostlosigkeit. Kein Ivan Rassimov, kein Giovanni Lombardo Radice, stattdessen eine Handvoll unerfahrener Nullgesichter und ein paar ausrangierte Herren wie Sal Borgese (DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE, 1973) oder Bruno Corazzari (LA ORCA, 1976). Das einfältige Trüppchen fällt vor allem in der ersten Hälfte negativ auf, da sich das gesamte Geschehen wie Kaugummi zieht. Immerhin kann man sich im Regenwald Kolumbiens umschauen, den Antonio Climati selbst eingefangen hat, aber damit hatte er ja auch Erfahrung. Schöne Landschaftsbilder sind dem Zuschauer also gewiss. Zum negativen Ausgleich gibt es einen unpassenden Synthesizer-Score von Maurizio Dami.

Als endgültigen Abgesang auf das italienische Kannibalen-Kino kann man diesen Film schnell übersehen, zu Recht, denn GREEN INFERNO lässt sich eher als Abenteuerfilm mit mahnendem Zeigefinger betrachten, der sich natürlich nie über seine Vordergründigkeit heraushebt. Hier würde ich eher den wesentlich besseren CUT AND RUN (1984) als Vergleich heranziehen, in dem auch keine Kannibalen im Einsatz sind, auch wenn das Setting danach schreit. Nichtsdestotrotz hat Antonio Climati einen durchaus interessanten Film abgeliefert, der zwar mit deutlichen Problem zu kämpfen hat, aber sich meistens über Wasser halten kann.

(Bjoern Candidus)

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