WHEN ALICE BROKE THE MIRROR
(QUANDO ALICE RUPPE LO SPECCHIO, Italien, 1988, Regie: Lucio Fulci)
Lester Parson ist ein spielsüchtiger Irrer, der, wenn er nicht auf Pferde setzt, Witwen anbaggert, um an ihr Geld zu kommen. Besondres Frauen mit äußerlichen Makel stehen auf seiner Liste des Hasses. Möglicherweise fällt es ihm leichter diese zu töten, denn das macht er, und zwar auf äußerst widerliche Art. Aber die Polizei ist bereits auf einer heißen Spur.
Bis zu den frühen 1980er-Jahren war Lucio Fulci immer eine sichere Bank für handwerklich gut gemachte Filme in sämtlichen Genres. Mit AMULETT DES BÖSEN (1982) und CONQUEST (1983) setzten bereits leichte Ermüdungserscheinungen ein, wobei sich beide Filme noch mit einer dichten Atmosphäre schmücken, und genau daran mangelt es bei WHEN ALICE BROKE THE MIRROR. Visuell ist der Film so attraktiv wie weiße Feinrippunterwäsche oder wie die Warzen-, Damenbart und Hasenscharten-Frauen, die hier aufgefahren werden. Das Make-up stimmt, aber der Film ist sehr holprig und langweilig inszeniert, selbst für den späten Fulci. Das Budget war gering und ist vermutlich in erster Linie in die extrem brutalen und blutigen Spezialeffekte geflossen. Denn wenn sich Fulci hier mit einer Sache brüsten kann, dann mit ausufernder Gewalt. Das Blut spritzt gewaltig, wenn Lester Parson z.B. eine Dame mit einer Kettensäge zerteilt, bevor er die Reste an Schweine verfüttert. Richtig fies wird es, wenn er den Kopf einer Dame in einen Heißluftofen drückt, bis das Gesicht langsam zerläuft. Die Effekte sehen nicht immer gut aus, sind aber wirksam, um den Gore-Freund zu befriedigen, denn mehr wollte Fulci hier vermutlich nicht. Niedere Instinkte mit wenig Geld befriedigen. Völlig legitim, und in diesem Punkt hält das Produkt was es verspricht. Neben der lustlosen Grundstimmung und der öden Fotografie ist der ständig wiederkehrende Walzer (?) eine Belästigung gewesen. Auch das Aussparen jeglicher Spannung ist nicht gerade förderlich für das Gesamtbild. Zudem hat man mit Brett Halsey (DIE RÜCKKEHR DER FLIEGE, 1959) jemanden, der sich nicht gerade mit Charisma bekleidet, zumindest hier nicht. Das gleiche Problem gilt auch für Al Cliver (ENDGAME, 1983) und Zora Kerova (DIE RACHE DER KANNIBALEN, 1981).
Wer sich den Tag mal wieder mit äußerst derben Tötungsorgien ohne Charme versüßen will, ist hier richtig. Wer aber einen starken Film von Lucio Fulci sehen möchte, ist hier nicht richtig.
(Bjoern Candidus)
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