DAS UNSICHTBARE AUGE
(SOMEONE‘S WATCHING ME!, USA, 1978, Regie: John Carpenter)
Wer in ein Hochhaus mit dem Namen „Arkham Tower“ zieht, muss sich nicht wundern, wenn man Probleme bekommt, so wie Leigh Michaels. Kurz nachdem die TV-Regisseurin in ein modernes 2000-Seelen-Hochhaus zieht, beginnt ein Unbekannter sie zu beobachten und ihr Geschenke zukommen zu lassen, u.a. ein Teleskop, wie es der Stalker selber besitzt. Auch anonyme Anrufe bleiben nicht aus, die Leigh beängstigen. Da kommt ihr der Dozent Paul gelegen, dem sie sich anvertraut. Auch ihre beste Freundin Sophie steht ihr unterstützend zur Seite. Als die Drei schließlich einen Mann mit Teleskop im gegenüberliegenden Hochhaus entdecken, rufen sie die Polizei, die den Mann vorläufig festnimmt. Doch bei dem Mann handelt es sich scheinbar nicht um Leighs Stalker…
Zwischen ASSAULT ON PERCINCT 13 (1976) und HALLOWEEN (1978) drehte John Carpenter diesen Thriller für das US-Fernsehen und und ließ sich ganz offensichtlich bei Alfred Hitchcocks DAS FENSTER ZUM HOF (1954) inspirieren, wie fünf Jahre später Brian De Palma mit BODY DOUBLE. Stalking, Telefon-Terror und Beobachtungen sind angesagt, und Fred Walton hat mit WHEN A STRANGER CALLS (1979) noch mal die Messlatte hochgelegt, aber um den soll es ja nicht gehen.
Carpenter baut die Spannung langsam auf, gibt den Figuren und dem Geschehen Zeit. Anfänglich krankt es etwas an visuellen Reizen, manchmal Blickt der TV-Rahmen zu sehr durch. Aber im weiteren Verlauf wird die Atmosphäre dichter und auch die Fotografie von Robert B. Hauser spannender. Die Hochhäuser sind toll eingefangen, besonders in der Dunkelheit und werfen ein Blick in Carpenters zukünftige Filme, die er von Dean Cundey fotografieren und zu Meisterwerken verwandelte. Was hier leider fehlt ist ein prägnanter Score aus dem Hause Carpenter. Harry Sukmans Untermalungen plätschern dahin, erfüllen aber immerhin ihren Zweck.
Wie später De Palma legt Carpenter seinen Film anders an als Hitchcock. Man verlässt das Apartment, ist in fremden Wohnungen oder erledigt Sonstiges, und dennoch wirkt der Film beengt, was durchaus zur Bedrohungslage Leighs passt. Lauren Hutton (MEIN NAME IST GATOR, 1976) überzeugt als Leigh Michaels, die nicht zu einem Angsthäschen verkommt, während David Birney als Paul Winkless eher uninteressant wirkt. Mehr Interesse weckt die wunderbare Adrienne Barbeau (THE FOG, 1980) als Sophie, die kurze Zeit später Carpenters Ehefrau wurde. Ihre burschikose Art ist hier schon zu spüren. Ebenfalls dabei und aus dem Carpenter-Universum kaum wegzudenken: Charles Cyphers (HALLOWEEN)
DAS UNSICHTBARE AUGE ist ein spannendes Frühwerk, was inhaltlich zwar keine großen Innovationen mitbringt, aber Carpenters Handschrift bereits zeigt, wenn auch nicht so deutlich, wie bei ASSAULT ON PERCINCT 13.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar