ROCCO – ICH LEG DICH UM
(L‘ ULTIMO KILLER, Italien, 1967, Regie: Giuseppe Vari)
Nachdem der Viehzüchter John Barrett den Vater von Ramón töten lassen hat, schwört der junge Mexikaner Rache. Durch eine brenzliche Situation, die für den Mexikaner beinahe tödlich geendet wäre, begegnet er Rocco, dem Ramón durch sein Auftauchen das Leben rettet. Rocco, der eigentlich gerade den Auftrag hatte, jemanden umzubringen, nimmt zum Dank Ramón mit auf seine Hütte, wo er gesunden soll. Doch Ramón sieht in Rocco eine ganz andere Chance…
Giuseppe Vari (DIE MÖRDER DES KLANS, 1971) präsentiert hier einen Italowestern, der sich etwas von seinem Gros absetzt, da er sich sehr auf die Beziehung zwischen Rocco (in der italienischen Originalfassung heißt die Figur Rezza) und Ramón konzentriert, die eine Schüler-/ Lehrer-Beziehung führen. Da Rocco Ramón das Töten beibringen soll, damit der sich für die Ermordung seines Vaters rächen kann, leben sie in einer Hütte in den Berger, was eine gewisse Romantik mit sich bringt. Hier lernt Ramón nicht nur das Schießen und darf bei der Herstellung von Pistolenkugeln zugucken, sondern bekommt auch noch Roccos Philosophie des Tötens oben drauf. Leider bringt Dragomir Bojanic-Gidra (ROCCO – DER EINZELGÄNGER VON ALAMO, 1967) als Rocco keine Ausstrahlung mit, so wie es z.B. Anthony Steffen getan hätte, aber dafür ist ja Luigi Montefiori alias George Eastman als Mexikaner am Start. Und der eröffnet den Film gleich, in dem er mit einem Esel durch die Prärie reitet und erst mal ein paar Schläge einstecken muss statt seinen Gegner in der Luft zu zerreißen. Er mag zwar groß sein, aber das Kämpfen und Töten muss noch gelernt werden. Er wirkt in der Rolle des hilflosen Bauernjungen etwas sonderbar, aber er ist auch unglaublich sympathisch und bringt unter allen Anwesenden die größte Ausstrahlung mit. Daniele Varags (FRIEDHOF OHNE KREUZE, 1969) als Antagonist John Barrett ist wenig aufsehenerregend, was auch für seine austauschbare Bande gilt. Aber da der Fokus ohnehin auf Rocco und Ramón liegt, und die Rachegeschichte eher zweitrangig ist, konnte ich das gut verschmerzen. Auf ellenlange Schießereien wird verzichtet, dennoch schlägt der Film recht rüde Töne an, aber mehr als das Standartprogramm wird nicht geboten. Obwohl die Inszenierung insgesamt wertig aussieht, ist sie doch auch etwas monoton geraten. Vari tut sich etwas schwer, Atmosphäre aufzubauen, obwohl er mit der Landschaft auf Sardinien genug Potential gehabt hätte. Doch der letzte Schliff fehlt, eigentlich bei fast allem hier, aber manchmal hilft da der Score von Roberto Pregadio, der das ein oder andere schöne Stück zu bieten hat.
ROCCO – ICH LEG DICH UM hat gute Ansätze, verfolgt einen eigenen Weg, aber wirkt insgesamt etwas halbgar. Der größte Lichtblick ist George Eastman, den man hier mal von einer anderen Seite sehen darf, die ihm wohl persönlich nicht sonderlich zugesagt hat, wie er verlauten ließ.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar