DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE
(DOCTOR JEKYLL EL HOMBRE LOBO, Spanien, 1972, Regie: Leon Klimovsky)
Doktor Henry Jekyll experimentiert fleißig an einem Serum, was Menschen verändern kann, um ihnen zu helfen. Da kommt ihm Waldemar Daninsky gerade recht. Waldemar hat nämlich ein Problem, denn bei Vollmond verwandelt er sich in einen Werwolf und geht auf die Jagd nach Menschen. Doktor Jekyll bietet Waldemar seine Hilfe an. Er will ihn zu Mr. Hyde werden lassen, der dann den Geist des Werwolfs besiegen soll. Anschließend soll Waldemar gegen den Hyde-Verstand antreten.
Am wichtigsten ist hier wohl, als Zuschauer nicht selbst den Verstand zu verlieren, wobei das manchmal auch nützlich sein kann. Den Verstand hat bei der Produktion hoffentlich niemand verloren, Paul Naschy hat einfach den Stift angesetzt und sich eine weitere Werwolf-Story aus den Krallen gesaugt und diese zu einem Drehbuch für Regisseur Leon Klimovsky verarbeitet. Hier hat er Elemente von Robert Louis Stevensons Erzählung „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (1886) und der bekannten Werwolf-Thematik zusammengemengt. Dass das Ganze völlig hanebüchen ist, ist dabei natürlich vollkommen egal, denn hier zählt nur die Idee, egal wie absonderlich sie ist.
Klimovsky fährt dabei bekannte Zutaten auf, die den Fan des europäischen Horrorfilms vertraut sind. Es geht auf Londons verregnete Straßen, auf eine Party der feinen Gesellschaft und ins Rotlichtviertel der Stadt oder man bewegt sich in die Natur, wo man sich auch an einem finsteren Schloss laben kann. Ist man in der Natur, ist man nicht mehr in England, sondern in Spanien, was einem natürlich vertraut vorkommt, besonders im Zusammenhang mit Paul Naschy. An eine Spelunke auf dem Dorf mit den obligatorischen, misstrauischen und abergläubisch Dorfdeppen, die sich zu einem Vergewaltigungsversuch an einer Dame hinreißen lassen, bevor sich Waldemar als Held meldet, wurde gedacht, wie auch an ein bisschen Gewalt und Sadismus und an einen unheimlichen Score, der diesmal von Antón García Abril stammt, der auch die schaurigen Klänge für DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN (1972) komponierte.
Eine irrsinnige Story, ein bisschen Blut, ein paar blanke Brüste, Jack Taylor als Dr. Jekyll, Paul als Mr. Hyde und Werwolf… Im umfangreichen Katalog der Filme mit Paul Naschy ist DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE keine Sternstunde. Dennoch kann sich die Produktion mit ihrem Gruselcharme über Wasser halten, ist aber in erster Linie nur etwas für Fans des Spaniers.
(Bjoern Candidus)
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