HARDCOVER
(I, MADMAN, Kanada, 1989, Regie: Tibor Takács)
Virginia liest nicht nur gerne, sie jobbt sogar in einem Antiquariat, um abends die Schauspielschule zu besuchen. Da sie gerne Horror-Literatur liest, freut sie sich über den Roman „I, Madman“ von Malcom Brand. Doch der Roman hat eine außerordentlich starke Wirkung auf sie. Es scheint, als würde die Fiktion in die Realität über greifen. Und dann wird Virginia von einem geheimnisvollen Mann verfolgt, der ihr auf unheimliche Art bekannt vorkommt.
Zwischen THE GATE (1987), einer meiner Lieblingshorrorfilme der 80er-Jahre, und seiner gar nicht üblen Fortsetzung GATE 2 (1990) hat der gebürtige Ungar Tibor Takács mit HARDCOVER einen durchaus stimmungsvollen Horrorfilm geschaffen, der zwar deutliche Anleihen an A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) zeigt, aber gleichzeitig auch ein wenig DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS (1994) vorwegnimmt. Und auch BODY PARTS (1991) kam mir in den Sinn. Doch statt einen mit Klingenhandschuh ausgestatteten Kindermörder, der nach seiner Ermordung in den Träumen der Kinder der Täter sein Unwesen treibt, ist es eine garstige, entstellte Romanfigur, die den Weg in die Realität findet, um seinen Opfern Teile ihres Kopfes zu entfernt, um sich selbst mit ihnen zu schmücken, denn er will ja schließlich Virginia gefallen. Auch wenn man bei den wenigen Gore-Effekten explizite Darstellungen ausspart, verfehlen sie nicht ihre Wirkung, und das Design des Wahnsinnigen kann sich sehen lassen. Insgesamt sind die Effekte sehr schön, und es gibt sogar eine THE GATE-Hommage, denn einer der Minions hat sich auch hierher verlaufen, ist nur wesentlich größer als seine Brüder und Schwestern. Aber nicht nur die Effekte stimmen, sondern auch die Fotografie. Die erdigen Farben passen gut zum Buch-Thema, und das Antiquariat sorgt für eine wohlige Atmosphäre, die zu dem krimiartigen Aufbau der Story harmoniert. Fast zu übersehen ist das Fest der Liebe, der Film spielt nämlich um Weihnachten herum, was man vor allem am dezenten Schmuck erkennen kann. Ein bisschen problematisch finde ich die Besetzung. Jenny Wright (NEAR DARK, 1987) als Virginia ist sympathisch, keine Frage, aber ihr Spiel erscheint manchmal etwas unsicher bis gekünstelt, aber immerhin nervt sie nicht. Ziemlich farblos wirkt ihr Mann Richard, dargestellt von Clayton Rohner (DAS RELIKT, 1997). Aber immerhin streut Takács einige verschrobene Figuren in seine Inszenierung, die für einen ganz eigenen Charme sorgen.
HARDCOVER ist ein phantasievoller, spannender, gut aussehender Horrorfilm, der mehr Stil aufweist als viele seiner Artgenossen jener Tage.
(Bjoern Candidus)
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