INFERNO 2000
(HOLOCAUST 2000, GB, Italien, 1977, Regie: Alberto De Martino)
Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe, aber hier mischt auch noch der Teufel mit, der die Apokalypse mit Hilfe des Großindustriellen Robert Caine herbeiführen möchte. Caine will in der Sahara ein neuartiges Atomkraftwerk errichten, was alle Probleme in der Region lösen soll. Aber das Projekt ist umstritten, und Widerstand tut sich auf. Aber der Widerstand scheint von einer übersinnlichen Macht aufgehalten zu werden. Dann kommt es zu einem schrecklichen Unfall, bei dem sein Sohn Angel seine Mutter tötet. Oder handelte Angel im Namen des Teufels persönlich?
Wiedermal waren die Italiener (diesmal zusammen mit den Briten) schnell und haben eine direkte Antwort auf einen US-Erfolg abgegeben. Die Koproduktion, die unter der Regie von Alberto De Martino entstanden ist, ist eine direkte Reaktion auf DAS OMEN (1976) von Richard Donner und nimmt teilweise den Verlauf seiner Fortsetzungen DAMIEN – OMEN 2 (1978) und vor allem BARBARAS BABY – OMEN 3 (1981) vorweg. Auch hier geht es um die Vermischung von Politik, Industrie, Wirtschaft, Hunger und Armut im Rahmen eines Okkult-Horrorfilms, der alles gibt, um dem Zuschauer in gut dosierten Momenten saftige Schockeffekte zu verpassen. Es gibt eine sehr schöne Szene, die ein Jahr später von Romero in ähnlicher Form präsentiert wird. Die Hubschrauber-Rotorblatt-Schädeldecken-Szene, auf die man bei DAWN OF THE DEAD (1978) in Europa lange warten musste, ist hier jedenfalls saftiger. Überhaupt gibt es auffällig viele Verletzungen gegen den Kopf zu bestaunen. Alberto De Martino versteht etwas von Okkult-Horror und visionären Bildern, die von Ennio Morricone untermalt werden. Diese Konstellation hat schon in DER ANTICHRIST (1974) blendend funktioniert, und damals mit Joe D’Amato als Kameramann. Hier gibt es sogar eine Traum-Sequenz, wie man sie später in ähnlicher (und wirkungsvollerer) Form in Ken Russells Filmen erleben kann. Insgesamt ist der Film sehr hell. Entweder man ist in der Wüste (gedreht wurde u.a. in Tunesien) oder in London und hält sich dann vor allem in Büros, Kliniken oder Forschungseinrichtungen auf, die nicht gerade für eine unheimliche Atmosphäre sorgen. Aber De Martino legt auch viel Wert auf die Figuren seiner Geschichte (und der von Sergio Donati) und liefert viel Dialog. Mit Kirk Douglas hat man einen Star an Bord geholt, der einem Gregory Peck aus DAS OMEN in nichts nachsteht. Das Teufels-Horror-Triptychon der Hollywood-Herren wurde im gleichen Jahr mit DER EXORZIST 2 – DER KETZER (1977) durch Burton vervollständigt. Den zog es direkt drauf wieder in eine ähnliche Richtung mit DER SCHRECKEN DER MEDUSA (1978), und Charlton Heston sei in DAS ERWACHEN DER SPHINX (1980) auch noch schnell erwähnt. Die neue Geliebte von Robert wird von Agostina Belli (DER SCHWARZE TAG DES WIDDERS, 1971) dargestellt, die weniger zum tragen kommt als Simon Ward (FRANKENSTEIN MUSS STERBEN, 1969) als Richards Sohn Angel, dem Handlanger des Teufels. Sein puppenartiges Gesicht verrät von Anfang an nichts Gutes, aber ein Sam Neill hatte vier Jahre später als Damien Thorn mehr Feuer zu bieten. Es gibt einige wirklich krude Momente, und manchmal hat man das Gefühl, De Martino verliert etwas die Kontrolle, aber er schafft immer wieder den Weg zurück, um seine Inszenierung sicher zum Ende zu führen. Hier sei allerdings gesagt, dass es zwei unterschiedliche Enden gibt, und das europäische Ende ist klar vorzuziehen.
INFERNO 2000 ist ein sehenswerter Beitrag aus der Welt des Teufels-Horrors der 70er-Jahre, dem es manchmal an Spannung mangelt, aber dafür ein paar äußerst derbe Szenen serviert, um einen Ausgleich zu schaffen.
(Bjoern Candidus)
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