WOLF – DAS TIER IM MANNE
(WOLF, USA, 1994, Regie: Mike Nichols)
Das Leben vom Verlagsdirektor Will Randall läuft gerade nicht gut. Erst wird er von einem Wolf gebissen, dann wird ihm sein Angestellter plötzlich vor die Nase gesetzt, da die Übernahme des Verlags geplant ist, in der Randall arbeitet. Doch seine Wut hält nicht lange an, denn plötzlich macht er eine sonderbare Veränderung durch. Er fühlt sich fit, seine Sinne sind geschärft, doch gleichzeitig wird er von Alpträumen geplagt, in denen er sich in eine Bestie verwandelt.
In den 90er-Jahren entdeckte Hollywood mal wieder die klassischen Horrorfiguren, um sie neu auf die Leinwand zu bringen, und so folgte BRAM STOKER’S DRACULA (1992), MARY SHELLEY’S FRANKENSTEIN (1994) und WOLF, der, im Gegensatz zu den beiden anderen genannten Filmen, einen modernen Weg einschlägt, was mir gut gefallen hat.
Mike Nichols (DIE REIFEPRÜFUNG, 1967) Regiearbeit startet düster und atmosphärisch. Jack Nicholson spielt den Verlagsdirektor Will Randall, der mit dem Auto durch die verschneite Landschaft von Neuengland fährt. Als er einen Wolf anfährt und ihm helfen will, beißt ihn das Tier und besiegelt damit den Fluch, der fortan auf ihm lastet. Eine schöne Eröffnungs-Szene mit einem tollen Horrorfilm-Setting und dem wunderbaren Jack Nicholson. Nicholson ist eine hervorragende Wahl gewesen. Es ist mitunter sehr amüsant, wenn er langsam seine neuen Fähigkeiten kennenlernt, die ihn besser hören und riechen lassen. Gelungen sind auch die Momente, wenn er durch den Wald rennt und ein Reh reißt. Das Make-up ist dabei sehr dezent; es reduziert sich in erster Linie auf Kontaktlinsen, ein Wolfsgebiss, Spitzohren und ein bisschen mehr Bart, so dass Nicholson stets zu erkennen ist, es sei denn er ist komplett zum Wolf transformiert. Er sieht gut aus, er spielt gut und ist ganz klar das Highlight des Films. Aber auch die anderen Damen und Herren, die sich hier versammeln, können sich sehen lassen. Michelle Pfeiffer, Christopher Plummer und James Spader sorgen dafür, dass man sich auf darstellerischer Ebene keine Sorgen machen muss. Unter den Figuren entstehen berufliche Spannungen, was den Film auch abseits seiner eigentlichen Thematik interessant macht.
Obwohl man sich im Rahmen der Story in einer Großstadt befindet, sorgt Mike Nichols für stimmungsvolle Schauplätze, die sehr geschickt das Klassische mit dem Modernen kombinieren. Ennio Morricone sorgt für eine passende Untermalung, allerdings bleibt der Score ingesamt wenig einprägsam.
Leider kann sich die Spannung, die in der ersten Stunde aufgebaut wird, nicht über den ganzen Film halten. Oft gibt es zähe Momente, die den Film immer wieder ausbremsen. Mit 125 Minuten ist man einfach zu lang unterwegs, denn mit einer großen Geschichte hat man es natürlich nicht zu tun.
WOLF – DAS TIER IM MANNE ist ein sauber inszenierter Werwolf-Horrorfilm mit tollen Darstellern, der durchaus Witz und Ironie zulässt und auch tricktechnisch überzeugen kann. Leider geht Mike Nichols zu schnell die Puste aus, um auch inhaltlich mitzuhalten, was zu Lasten der Spannung geht. Trotz Stärken bleiben hier immer gemischte Gefühle in mir zurück.
(Bjoern Candidus)
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