DER GOTT DES GEMETZELS
(CARNAGE, Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien, 2011) von Roman Polanski
Der Sohn der Cowans hat dem Sohn der Longstreets mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen. Aus diesem Anlass treffen sich die beiden Elternpaare, um die Angelegenheit zu klären. Beim Verlassen der Wohnung entsteht eine weitere Diskussion, die Alan und Nancy Cowan dazu veranlasst, noch mal zurück in die Wohnung der Longstreets zu kommen, um weiter über die Angelegenheit ihrer Söhne zu sprechen. Doch die Diskussionen werden immer giftiger und schnell geht es nicht mehr um das eigentliche Thema. Als der Alkohols ins Spiel kommt, gerät das Treffen vollends außer Kontrolle.
Roman Polanski ist ein Meister im inszenieren von Geschichten, die in Wohnungen spielen. EKEL (1965), ROSEMARY‘S BABY (1968), DER MIETER (1976), DER TOD UND DAS MÄDCHEN (1994) brauchen keine Weite, um groß zu wirken. Polanski hat seine Schauspieler, seine Figuren, seine Drehbücher und seine unglaubliche Fingerfertigkeit, packende Filme in sämtlichen Genres zu zaubern. Dass der Mann nicht nur menschliche Abgründe, sondern auch Humor zu bieten hat, hat er immer wieder bewiesen. Ein Feuerwerk von Witz, Ironie und Wahrheiten in Form von hervorragend geschriebenen Dialogen erwartet einen in DER GOTT DES GEMETZELS, der auf dem Theaterstück „Le Dieu du carnage“ von der französischen Dramatikerin Yasmina Reza basiert.
Was in diesem Kammerspiel vor allem wichtig ist sind die Schauspieler, und mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly hat Polanski den absoluten Segen gebracht. Keiner ist hier besser oder schlechter als der andere. Jeder ist stark auf seine Art. Während Jodie Foster als Penelope Longstreet, die korrekt, belesen und intellektuell ist, schnell klar wird, dass sie zur Zickigkeit neigt, braucht es bei Kate Winslet als Nancy Cowan etwas. Ihre Figur expandiert erst, +++ACHTUNG SPOILER! nachdem sie auf Penelopes teure Kunstbildbände gekotzt hat+++, aber dann ist sie auch nicht mehr zu halten. Christoph Waltz ist als Alan Cowan direkt hassbar. Seine widerliche Arroganz und der Glaube, über alles und jedem zu schweben, wird aber irgendwann stark angekratzt, +++ACHTUNG SPOILER! wenn sein „ganzes Leben“ in Form seines Smartphones zerstört wird. Eine sehr denkwürdige Szene, die uns allen vielleicht einen kleinen Denkanstoß geben sollte.+++ Bei John C. Reilly als Michael Longstreet fühlte ich mich anfangs am sichersten. Ein Ruhepol, bis er anfängt zu trinken und so manche Wahrheiten ausspricht, die dann vor allem zu einem Ehestreit führen. Das ganze Treffen, was eigentlich dazu diente, dass sich zwei Elternpaare treffen, um über den Konflikt ihrer Söhne zu sprechen, wird zum Desaster, in dem niemand nachgeben will.
DER GOTT DES GEMETZELS ist ein zeitloses Spiegelbild unserer Gesellschaft in Form von einer Schwarzen Komödie von Meisterhand. Immer wieder großartig.
(Bjoern Candidus)
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