THE BOOGEY MAN
(USA, 1980, Regie: Ulli Lommel)
Willy ist traumatisiert und stumm. In seiner Kindheit hat er den Liebhaber seiner Mutter getötet. 20 Jahre später leidet er noch immer unter seiner Tat. Auch seine Schwester Lacey hat die Vergangenheit nicht verarbeitet und so empfiehlt ihr Dr. Warren eine Konfrontationstherapie. Sie fährt gemeinsam mit ihrem Mann Jake raus, um das elterliche Haus aufzusuchen. Bei der Besichtigung des Hauses, was die aktuellen Besitzer verkaufen wollen, hat Lacey eine Vision des Liebhabers ihrer Mutter, der sich ihm Spiegel aufrichtet und sie anstarrt. Sie zerstört den Spiegel. Damit beginnt der Schrecken, der bereits seinen Bruder Willy eingeholt hat.
An Abwechslung hat es in der Welt von Ulli Lommel nie gemangelt. Als Darsteller war er bei Fassbinder zu sehen, als Regisseur (DIE ZÄRTLICHKEIT DER WÖLFE, 1973) drehte er mit Andy Warhol (COCAIN COWBOYS, 1979 / BLACK GENERATION, 1980), bevor er sich in die Welt der 80er-Jahre Thriller, Horror- und Actionfilme bis hin zu Daniel Kübelböck (DANIEL DER ZAUBERER, 2004) und seinen sonderbaren Zodiak Killer – Ausflügen (Ulli Lommel‘s ZODIAC KILLER, 2005 / CURSE OF THE ZODIAC, 2007) durcharbeitete.
Mit THE BOOGEY MAN, der ziemlich erfolgreich im Kino lief und gerade mal 300.000 $ gekostet hat, gelang Lommel ein durchaus ansehnlicher Horrorfilm, der auf geschickte Art den Slasher- mit dem Dämonen-Horror verknüpft. HALLOWEEN (1978) trifft auf DER EXORZIST (1973) und AMITYVILLE HORROR (1979), könnte man vereinfacht sagen, und trotzdem bietet der Film etwas ganz Eigenes. Besonders in der Rückblick-Sequenz, direkt am Anfang, wird die Nähe zu HALLOWEEN deutlich, wenn man das Haus des Geschehens sieht, Willy zum Messer greift, den Liebhaber der Mutter ersticht und es dann zu einem Zeitsprung kommt. Andererseits wird hier auch eine direkte Begründung mitgeliefert, denn bevor der Stecher der Mutter das Zeitliche segnet, setzt es Prügel von ihm, und anschließend fesselt er Willy ans Bett. Doch dann befreit ihm seine Schwester…
Nach dieser gelungenen Eröffnung wird es erst mal etwas entspannter, bevor Lommel dann nach und nach die Spannung erhöht. Besonders gelungen ist die bedrückende Stimmung und die farbige Lichtgestaltung. Die durchaus blutigen Morde und die alptraumhafte Atmosphäre mancher Szenen hat mich auch an Lucio Fulci (und den späten Lenzi) erinnert. Am Ende wird dieser Eindruck besonders deutlich, wobei sich da noch mehr DER EXORZIST aufdrängt. Der titelgebende „Boogey Man“, der durch die Zerstörung eines Spiegels befreit wird und nun durch eine Spielscherbe wirkt, ist simpel, aber wirksam. Das Unnahbare, was man lediglich atmen hört, sorgt für Grusel, der allerdings ein weiteres Mal an den guten alten Michael Myers erinnert. Carpenter drängt sich einem auch bei dem sehr starken Score von Tim Krog auf.
Leichte Abstriche muss man bei der Besetzung machen. Lacey wird von Lommels damaliger Ehefrau Suzanna Love dargestellt, die soweit okay ist. Bruder Willy wird von ihrem echten Bruder Nicholas Love dargestellt, der ziemlich tumb spielt, was auch daran liegt, dass seine Figur stumm ist. Das Herz geht kurz auf, wenn John Carradine seinen kurzen Auftritt hat. Ansonsten hebt sich hier keiner hervor, und viele hatten hier ihren einzigen Auftritt.
THE BOOGEY MAN ist ein unheimlicher Horrorfilm mit kleinen Schwächen, die er mit seinen Stärken ausgleichen kann.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar