DER HEISSE TOD
(Deutschland, GB, Italien, Liechtenstein, Spanien, 1969, Regie: Jess Franco)
In einem Gefängnis auf einer Insel vor der Küste von Panama herrscht Zucht und Ordnung. Die männlichen Gefangenen stehen unter der Herrschaft von Gouverneur Santos, der sich für den Spaß gerne mal die ein oder andere Dame von der Oberaufseherin Diaz herüberschicken lässt, die mit eiserner Hand die weiblichen Gefangenen drangsaliert. Doch ihre Methoden sprechen sich langsam herum. Aus diesem Grund wird Diaz abgesetzt und sie dient nur noch als Assistentin der neuen Oberaufseherin Leonie Caroll, die mit ihrer menschlichen Ader eine neue Gefängnis-Philosophie errichten möchte. Es kommt zu Konflikten auf der Führungsetage und zwischen und den Gefangenen. Ein besonderer Konflikt zwischen Leonie und der Gefangenen Marie entwickelt sich, der die Fronten zusätzlich verhärtet.
Mit DER HEISSE TOD hat Jess Franco einen der kompetentesten Filme seines Œuvres vorgelegt. Produzent des Ganzen: Harry Alan Towers.
Zooms, Wackelbilder oder holprige Schnitte sind hier so gut wie gar nicht zu finden; Kameramann Manuel Merino hat stattdessen eine schöne Fotografie vorgelegt, die den Film jederzeit wertig erscheinen lässt. Die Burg auf den Klippen ist innen wie außen ein Hingucker, und richtig schön wird es, wenn die Damen durch den Dschungel flüchten.
Dass man es hier mit einem Film von Jess Franco zu tun hat, erkennt man natürlich trotzdem. Frauen in Gefangenschaft, Schlüpfrigkeiten, sadistische Machtfiguren und der Hang zu experimentellen Spielereien mit Farben und Formen blitzen auf und erwecken sofort ein Gefühl des Vertrauens. Franco legt viel Wert auf seine Figuren, übt Kritik am Gefängnis-System und zeigt natürlich auch die niederen Instinkte der Menschen auf. Gefestigt wird das von den wirklich starken Darstellern wie Maria Schell als die gute Aufseherherin und Mercedes McCambridge als ihre bösartige Vorgängerin, die mich stark an Ruth Gordon erinnert hat. Dazu gesellt sich Maria Rohm, Rosalba Neri und der einzigartige Herbert Lom. Da kann wirklich niemand meckern. Die Gehörgänge werden von Bruno Nicolai verwöhnt, der hier erneut mit einem schönen Score aufwartet.
Themen wie Missstände, Unterdrückung, der Geschlechtstrieb unter Frauen und Männern, Zucht und Ordnung durch Folter und Bestrafungen und die Hoffnung, gefestigte Systeme zu brechen, machen aus DER HEISSE TOD einen wirklich reichhaltigen Film, der in Francos Filmografie ganz weit vorn anzusiedeln ist.
(Bjoern Candidus)
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