VAMPIRO
(EL VAMPIRIO, Mexiko, 1957, Regie: Fernando Méndez)
Der reisende Dr. Enrique kommt mit dem Zug in das vom Aberglauben geprägte Sierra Negra (auch ein erloschener Vulkan im mexikanischen Bundesstaat Puebla) an und trifft dort auf die junge Marta, die ihre kranke Tante Maria Teresa in ihrer Hazienda besuchen möchte. Ein Kutscher, der eine Lieferung Erde aus Ungarn transportiert, nimmt die beiden mit in Richtung Hazienda. Dort angekommen, Wird sie von ihrer anderen Tante und ihrem Onkel darüber informiert, dass ihre Tante Maria Teresa bereits verstorben sei. Die heruntergekommene Hacienda soll verkauft werden, und es gibt auch einen Interessenten: den geheimnisvollen Nachbarn Duval, der es kaum abwarten kann, Marta kennenzulernen.
Horror war schon immer eine internationale Sprache. Auch das mexikanische Kino brachte bereits in den 30er-Jahren erste Horrorfilme hervor, denen in den folgenden Jahrzehnten bis in die 1980er-Jahre viele folgen sollten.
Mit VAMPIRO, der unter der Regie von Fernando Méndez entstanden ist, hat man es mit einem außerordentlich schönen Schwarzweiß-Vampirfilm zu tun, der sich stilistisch eher an die Universal-Horrorfilme orientiert. Der im gleichen Jahr gedrehte DRACULA von Terence Fisher schlägt visuell im Vergleich natürlich einen komplett anderen, zeitgemäßeren Ton an, wenn auch nicht inhaltlich. Wenn man genau hinguckt und die Darsteller ausblendet, erkennt man z.B. am Baustil oder an der Ausstattung, dass man sich in Mexiko befindet, und das macht VAMPIRO auch so faszinierend. Andere Kulturen, andere Darstellungen. Wobei das hier nicht ganz zutrifft, denn der Vampir hat hier seinen Ursprung in Ungarn, verhält sich klassisch und tritt auch so auf. Duval, der Vampir, um den es geht, ist kein Lugosi und schon gar kein Lee. Wenn er nicht gerade in den Vampir-Modus schaltet oder sich in eine Fledermaus verwandelt, gibt er sich als aalglatter Charmeur, der nicht gerade das Aushängeschild unter den aristokratischen Vampiren darstellt, und hier gehört er auch nicht zum stärksten Element. VAMPIRO lebt von der Kraft seiner Bilder, seiner dichten und unheimlichen Gothic-Horror-Atmosphäre, die mit einem Hauch von Mexiko daherkommt. Spinnweben, Nebelschwaden, die entlang gespenstischer Bäume wabern, die düstere Hazienda, in der die Lebenszeit längst abgelaufen scheint und eine tolle Kamera- wie Lichtarbeit bestimmen die Inszenierung. Gerade, was die Licht- und Schattensetzung angeht, kann sich VAMPIRO zeigen und sich gegen viele ähnlich gelagerte Filme aus dieser Epoche behaupten. Mit diesen Mitteln man schafft man es auch, Duval in seinen vampirischen Momenten die nötige Ausstrahlung zu verpassen. Das blitzartige verwandeln in ein Fledermaus-Modell ist hingegen tricktechnisch auf dem Niveau der 30er-Jahre, was mich persönlich nicht stört, aber im Grunde überflüssig ist.
Auch wenn überall kleine Elemente des literarischen Vampirs a la Polidori und Stoker aufblitzen, erzählt Fernando Méndez, bzw. die Story- und Drehbuchautoren Ramón Obón und Ramon Rodriguez eine eigene Geschichte, die durchaus gelungen ist. Abgesehen von den beiden etwas zwiespältig wirkenden Herren Germán Robles als Duval und Abel Salazar als Dr. Enrique, hinterlassen Ariadne Welter als Marta, Alicia Montoya als María Teresa und Carmen Montejo als Tante Eloisa einen passenderen Eindruck. Insgesamt ist das Ensemble jedenfalls stimmig.
VAMPIRO ist wie ein schönes Gedicht im düsteren Gewand. Ein Muss für alle Vampir-Fans, die die Kinder der Nacht in ihrem gesamten Umfang erfassen wollen.
(Bjoern Candidus)
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