WOODOO BABY – INSEL DER LEIDENSCHAFT
(ORGASMO NERO, Dominikanische Republik, Italien, 1980, Regie: Joe D’Amato)
Der Ethnologe Paul reist gemeinsam mit seiner Frau Helen auf eine karibische Insel, um dort die Voodoo-Kultur der Einheimischen zu studieren. Während sich Paul in die Arbeit stürzt lernt Helen die junge Haini kennen und lieben. Die beiden Frauen kommen sich schnell näher, und Helen beginnt sich langsam aber sicher in Haini zu verlieben. Das gefällt Paul natürlich überhaupt nicht und fängt an, um seine Ehefrau zu kämpfen, die Haini immer mehr verfällt.
Auf Joe D’Amato ist Verlass, zumindest, wenn es um Sex und Horror unter Palmen geht. Aus ästhetischer Sicht passt WOODOO BABY – INSEL DER LEIDENSCHAFT perfekt zum Dominikanischen-Republik-Zyklus D’Amatos, der z.B. Filme wie PAPAYA – LIEBESGÖTTIN DER KANNIBALEN (1978) und IN DER GEWALT DER ZOMBIES (1980) umfasst. Von Horror ist hier leider wenig zu spüren. Ein bisschen Blut und Gekröse bekommt man am Anfang und am Ende, aber das Hauptaugenmerk liegt auf dem Schambereich. Heterosex und Lesbensex bestimmen das Geschehen. Vor allem wird man Zeuge von minutenlangem Mösenkraulen, was dann irgendwann sehr ermüdend wird. Jeder darf mit jedem oder alle zusammen. Sex zwischen Mark Shannon und Richard Harrison, der, wenn er intellektuell sein möchte, einfach eine Brille aufsetzt, wenn er an seiner Schreibmaschine tippt, spart man sich allerdings. Irgendwie inkonsequent. Und wenn nicht gerade genagelt, geleckt oder gekrault wird, darf man sich an der schönen Natur oder an einem Ausflug nach Santo Domingo freuen. Zwei große Vorteile hat der Film, die auch die vielen langatmigen Momente immer wieder über Wasser halten können: eine gute Fotografie von Alberto Spagnoli und einen sehr stimmigen Score von Stelvio Cipriani, der die Insel zum leben bringt.
Doch zwischen den zahlreichen Softcore-Sex-Szenen (es gibt auch eine Hardcore-Fassung) erzählt WOODOO BABY – INSEL DER LEIDENSCHAFT auch eine Geschichte über ein Ehe-Drama, was zu einer unheilvollen Dreiecksbeziehung führt, in der Paul aus Eifersucht beinahe Haini vor den Augen Helens vergewaltigt, bevor sie schließlich einvernehmlich zu dritt Sex haben. D’Amato ist eben D’Amato.
Die beiden Herren Harrison und Shannon, beide ausgestattet mit blonden, wallenden Haaren und Pornobalken, sind natürlich zum schreien und lassen den Schmierfaktor in die Höhe schießen. In dieser Hinsicht wäre der Film perfekt gewesen, hätte man noch Jeff Blynn (der eierfressende Inspektor aus GIALLO IN VENZIA) eine Rolle zugewiesen. Edler wird es mit den Damen. Allen voran: Nieves Navarro alias Susan Scott, die hier als Helen den Kopf von Lucia Ramirez als Haini verdreht bekommt.
WOODOO BABY – INSEL DER LEIDENSCHAFT ist ein kruder Mix aus Sexfilm, Ehe-Drama und Voodoo-Horror mit einer tollen Urlaubsstimmung. Nicht gut und nicht schlecht, aber ganz klar ein reiner D’Amato.
(Bjoern Candidus)
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